Auch Vögel brauchen Oasen:
wie sich ein Park darauf einstellen kann

Von Dr. Uwe Westphal

Naturnah gestaltete und gepflegte Parks und Grünanlagen bergen ein enormes Potenzial für die heimische Vogelwelt. Doch warum zieht es manche Vogelarten ausgerechnet in die Stadt, und wie können wir sie in öffentlichen Parks und Gärten dabei unterstützen, dass sich die Gefiederten in der Nachbarschaft des Menschen wohlfühlen?

Wer an einem Frühjahrsmorgen im Stadtpark spazieren geht, wird das vielstimmige Vogelkonzert kaum überhören. Die melodischen Flötenstrophen der Amsel mischen sich mit dem Läuten der Kohlmeise, dem Schlag des Buchfinken, dem silberhell perlenden Gesang des Rotkehlchens oder dem Schmettern, Rollen und Trillern des Zaunkönigs, dessen enorme Lautstärke so gar nicht zu seiner winzigen Erscheinung passen will. Die natürlichen Lebensräume dieser und zahlreicher weiterer Vogelarten sind lichte, aufgelockerte Wälder mit viel Unterholz und zahlreichen Randstrukturen. Die Vegetationsstruktur von Parks, Waldfriedhöfen, Grünanlagen und Gartenstadtzonen mit Hecken, Einzelbäumen, Rasenflächen und Blumenrabatten ähnelt aus der Vogelperspektive den natürlichen Lebensräumen. So fanden viele Vögel im durchgrünten Siedlungsraum eine neue Heimat – ein Prozess, den Wissenschaftler als „Verstädterung“ bezeichnen und der bei vielen Arten immer noch anhält. Dies umso mehr, als in den letzten Jahrzehnten immer mehr naturnahe Wälder in intensiv genutzte, strukturarme Forsten umgewandelt wurden und viele Bewohner ihre angestammten Habitate verlassen mussten. Manche Arten wie die Amsel kommen im Siedlungsraum inzwischen in weit höherer Dichte vor als im Wald.

Parks und Grünanlagen sind allerdings nicht per se wertvolle Vogellebensräume: Durch entsprechende Bepflanzung und Pflege können Sie schon in der Planung und Anlage - zum Beispiel neuer Bundesgartenschau Parks - oder über die Anweisung von Gartenämtern in Bestandsparks als „Vogelschutzgebiete“ angelegt werden.

Nachfolgend einige wichtige Punkte, die Vögeln und anderen Tieren helfen zu überleben:

 · „Wilde Ecken“ zulassen: Dichtes Dorngebüsch und Brombeer-Verhaue bieten sichere Brutplätze, gerade auch für Vögel, die in Bodennähe nisten.

· Totholz- und Reisighaufen, von Geißblatt, Kriechrosen oder Brombeeren malerisch überrankt, bieten ebenfalls geschützte Nistplätze und Nahrung in Form von Insekten.

· Keine übertriebene Pflege: Falllaub ganzjährig unter Büschen liegenlassen: Rotkehlchen, Amseln und andere stochern hier nach Kleintieren. Sträucher nur einzeln oder in kleinen Abschnitten zurückschneiden, niemals größeren „Kahlschlag“ im Park veranstalten. Morsche Baumstämme stehen lassen, sofern die Verkehrssicherheitspflicht es zulässt, ansonsten totes und morsches Holz liegenlassen. Spechte, Kleiber und Meisen freuen sich über ein ergiebiges Insektenleben im und am Holz und natürliche Nistmöglichkeiten.

· Nistkästen für Höhlenbrüter wie Meisen, Stare und andere anbringen und pflegen.

· Verblühte Staudenstängel bis zum Frühjahr stehenlassen, auch sie beherbergen im Inneren viele Insektenlarven.

· Ganz wichtig auch: Heimischen Gehölzen und Wildstauden den Vorzug geben. Vögel bevorzugen deutlich die Beeren heimischer Gehölze wie Vogelbeere und Holunder gegenüber Exoten. Insekten sind im Larvenstadium oftmals auf ganz bestimmte heimische Futterpflanzen angewiesen. Ohne Raupen keine Vögel!

· An weniger begangenen Ecken extensiv gepflegte Wildblumenwiesen oder Wildstaudenstreifen entlang von Hecken anlegen. Davon profitieren Insektenfresser wie Körnerfresser unter den Vögeln gleichermaßen.

· Geschützte Wasserstellen und Teiche anlegen, in denen Vögel gefahrlos trinken und baden können.

Nicht wenige der bei uns häufigen Vogelarten haben weltweit gesehen nur ein sehr kleines Verbreitungsgebiet. So lebt jeweils rund ein Viertel der gesamten Weltpopulation von Sumpfmeise und Sommergoldhähnchen in Deutschland. Für den Erhalt vieler „Park- und Gartenvögel“ trägt Deutschland daher eine internationale Verantwortung. Diese globale Verantwortung ist ein gewichtiges Argument für die naturnahe und damit vogelfreundliche Gestaltung und Pflege von Parks, Grünflächen und Privatgärten.