DENKMALSCHUTZ FÜR DEN BONNER RHEINAUENPARK

Der Naturraum

Die Rheinaue liegt linksrheinisch im Süden von Bonn und nördlich von Bad Godesberg in einer nach Westen gebogenen Stromschleife direkt am Rhein. Das weiche Gleitufer, das als weitgehend ebenes, in zwei breiten Stufen flach terrassiertes Gelände ansteigt, heißt topographisch „in der Gronau“. Der Name „in loco Groynsowen“, 1322 erstmals im Urkunden­buch der Abtei Heisterbach erwähnt, bedeutet grüne Aue und trifft den Charakter mit dem Rheinauenpark im Kernbereich auch heute noch. Der Fluss hat den Untergrund aus Sanden, Kiesen und lehmigem Löß in unterschiedlicher Stärke geschichtet und fruchtbares Land mit einem hohen Grundwasserspiegel hinterlassen.
Im Laufe von Jahrhunderten band angeschwemmter Sand eine alte Rheininsel (ein Werth) als Inselterrasse an die sich landeinwärts erstreckende höhere Niederterrasse. Weiträumig begrenzen den Raum das Siebengebirge im Osten und die Ville links­rheinisch. Am Rand der Ville, im Schutz der ansteigenden Hangflächen rahmen im Halbkreis frühmittelalterliche Kirchorte die ebene Aue.

Geschichte und Charakteristik – die historische Entwicklung

Die Relikte der römischen Zeit zwischen Bonn und Bad Godesberg (Römerstraße parallel zum Rhein, Römersiedlung, eine Art Vorstadt entlang der Straße) beruhen auf Ausgrabungsfunden. Es sind die ersten Siedlungsdokumente, die sich auf heutige Strukturen auswirkten. Sie verbanden die Kette der Legionslager und die römischen Kastelle am linken Rheinufer. Auch der Treidel- oder Leinpfad, der durchgehend linksrheinisch von den Niederlanden bis in die Höhe von Nierstein führte, war vermutlich bereits in römischer Zeit angelegt. Im 18. und 19., auch noch im frühen 20. Jahrhundert war der Rheinlauf von fülligem Uferbewuchs gesäumt. Die beiden Terrassenstufen waren Acker- und Wiesenland, dienten zum Teil dem Anbau von Wein und waren durch ein stern­förmiges Wegenetz erschlossen. (…) Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert konzentrierten sich um das Trajekt städtische Anlagen mit Erholungs- und Sportfunktion.

Mit der Bonner Stadterweiterung entlang der Ausfallstraße jenseits der mittelalterlichen Stadtbefestiggung boten die Grundstücke am Rhein Raum für stattliche Solitärvillen, umgeben von großzügigen Parkanlagen. 1970 trafen Bund, Land und die Stadt Bonn die Vereinbarung zum Ausbau der Stadt als Bundeshauptstadt; die Bundeseinrichtungen sollten gebündelt und in eine Parklandschaft eingebunden werden. Noch 1970 erfolgte die Ausschreibung eines Wettbewerbs zur Gestaltung der Rheinaue als Bundesgartenschaugelände auf beiden Seiten des Flusses.

Iim Frühjahr 1973 fand die Auslobung des Bauwettbewerbs „Deutscher Bundestag und Bundesrat“ statt. Vorausgegangen waren erste Diskussionen zur Präsentation von Parlament und Regierung in der Öffentlichkeit. (…)1976 lag der Entwurf zum städtebaulichen Rahmenplan für das Parlaments- und Regierungsviertel vor.

Der Bebauungsplan von 1971 forderte, das Gelände für den Erholungspark Rheinaue als Landschaftsschutzgebiet zu sichern, die Kläranlage für den Stadtbezirk Bad Godesberg und die Tiefbrunnen des Wasserwerks Plittersdorf einzubinden, ebenso in der südlichen Randzone des geplanten Naherholungsgebietes die Amerikanische Siedlung. Der Bebauungsplan am Trajekt von 1974 legt ebenfalls ein Landschaftsschutzgebiet fest; hier werden ausnahmsweise bauliche Anlagen für Erholung und Sport zugelassen, sie müssen jedoch mit der Gesamtplanung der Rheinauen übereinstimmen.

Von der BUGA ’79 zum öffentlichen Stadtpark

Schon bei Eröffnung der Bundesgartenschau am 27. April 1979 stellte Oberbürger­meister Daniels die Bedeutung des Rheinauenparks für die weitere städtebauliche Entwicklung Bonns heraus: „Das Aussehen einer Stadt hängt nicht zuletzt ab von ihrer städtebaulichen Gestaltung. Dabei scheinen mir Straßen, Plätze und Freiräume genauso wichtig wie die Architektur der Gebäude. Dennoch ist es ungewöhnlich, einen Garten anzulegen, bevor das Haus gebaut ist. Im Parlaments- und Regierungsviertel ist das geschehen. Dadurch ist gewährleistet, dass hier die Landschaft mehr ist als der freie Raum, der zufällig nach einer Bebauung übrig bleibt. Mit der Gestaltung dieser Land­schaft [...] ist erreicht, dass sich diesmal nicht der Garten an den Gebäuden, sondern die Gebäude am Garten orientieren müssen, und es ist zugleich ein Qualitätsmaßstab gesetzt, an dem sich die Bauten des Bundes messen lassen müssen.“

Die städtebaulichen Zielsetzungen waren bei diesem flächenmäßig und qualitativ heraus­ragenden Vorgarten des im Entstehen begriffenen Regierungsviertels also das zentrale Anliegen. Die BUGA ’79 bildete den temporären Anlass, um eine öffentliche Grünanlage zu schaffen, die das Gesicht der damaligen Bundeshauptstadt prägen sollte. Zwischen den Ortskernen der zuvor eigenständigen Städte Bonn, Bad Godesberg, Beuel und Oberkassel sollte der Rheinauenpark zur verbindenden Grünfläche werden und somit zugleich dem städtebaulichen Verdichtungsprozess dauerhaft entzogen. Auf dem zuvor überwiegend landwirtschaftlich geprägten Gelände zu beiden Seiten des Flusses wurde er ab 1973 angelegt und am 27. April 1979 mit den Festveranstaltungen zur 15. Bundesgartenschau (BUGA ‘79) eröffnet. Beendet wurde diese Leistungsschau des deutschen Gartenbaus am 16. Oktober 1979.

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Die Gestaltung des Bundesgarten-schaugeländes war für das noch vergleichsweise junge Land-schaftsarchitekturbüro Hansjakob eine große Herausforderung. Gottfried Hansjakob, geb. 1937, studierte Garten- und Landschafts-architektur in Wien und gründete sein Planungsbüro 1962 in München. Sein Bruder Anton Hansjakob wurde ein Jahr später zum Büropartner. Das Büro Hansjakob hat nicht nur Objekt-planungen ausgeführt, sondern auch an zahlreichen landschafts-planerischen und städtebaulichen Wettbewerben teilgenommen.
Der Rheinauenpark sowie das Grünkonzept für das Bonner Regierungsviertel gehören zu ihren wichtigsten Projekten. Weitere heraus­ragende Werke wurden vom Landschaftsarchitekturbüro Hansjakob für die Wiener Internationale Gartenschau 1974 (heutiger Kurpark Oberlaa) und für die 1998 eröffnete Neue Messe in München geschaffen. Im Rheinland stammt außerdem die ab 1980 infolge des U-Bahn-Baus erforderliche Neugestaltung der Kölner Ringe vom Büro Hansjakob.

Die Formensprache des Rhein-auenparks steht in der Tradition klassischer Landschafts­gärten, wie sie beispielsweise Friedrich Ludwig Sckell (1750–1823) oder der in Bonn geborene Peter Joseph Lenné (1789–1866) seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert in Deutschland geschaffen haben. Gottfried Hansjakob ist es im Zuge der BUGA ‘79 gelungen, den gartenkünstlerischen Typus des klassischen Landschaftsgartens, der ursprünglich in England entwickelt wurde, für einen städtischen Landschaftspark mit vielfältigen Nutzungsmöglich-keiten heranzuziehen und fort-zuentwickeln. Der Rheinauenpark wird daher auch der „Englische Garten Bonns“ genannt. Gottfried und Anton Hansjakob erläutern ihr naturnahes Gestaltungskonzept in der 2014 erschienenen Werk-monographie: „Die Höhenlage ermöglicht einen erlebnisreichen und perspek­tivisch deutlich vergrößerten Überblick über die Rheinaue und zu den gegenüber liegenden Hügelketten von Petersberg, Venusberg, Drachenfels und Ennert. Es war unsere Planungsabsicht, mit den Prinzipien des Landschaftsparks und in unserer eigenen Formensprache die Illusion der ungestörten Natur herzustellen.“