BUGA Erfurt 2021: Laura Heuschneider zum Planen einer Hanglage

Anlässlich einer Geländebegehung in Erfurt trafen wir Laura Heuschneider, bdla Garten – und Landschaftsarchitektin und Planerin des Rutschhangs am Festungsgelände im egapark. Wir konnten sie interviewen. Spanend, welche Herausforderungen der Petersberg für die zukünftige BUGA Erfurt 2021 bietet!

 DBG: Das Konzept zur BUGA Erfurt für den Festungsgraben am Petersberg ist ein zugleich originelles und auch sehr anspruchsvolles. Was hat Sie zu diesem Entwurf inspiriert?

Die Inspiration zu dem Entwurf liegt in Erfurt direkt vor der Stadt, dort werden auch heute noch Samenträger, also Blumen und Gemüse als Samenlieferanten angebaut. (Besuch lohnt sich auf jeden Fall Saatgut Rose). Eine vielfältige Tradition von Brunnenkresse, Saatguthandel mit der ganzen Welt, Kakteen über Puffbohnen bis hin zu buntem Blumenkohl wird auch heute noch gepflegt. Der gute Boden, das bisher günstige Klima und das herausragende gartenbauliche Wissen hat Erfurt zu einer Gartenbaustadt mit einzigartiger Tradition werden lassen, deshalb muss der Gartenbau hier einfach opulent gefeiert werden.

DBG: Das Anspruchsvolle liegt sicher in der Hanglage - die Bepflanzung muss halten, darf nicht wegrutschen, noch weggespült werden.

Welche Maßnahmen werden ergriffen, um dem entgegen zu wirken?

Mit dieser Lage hat die BUGA uns für den Beitrag wirklich eine anspruchsvolle Aufgabe vorgegeben. Weil die Flächen trotzdem barrierearm erreichbar sein sollten, muss ein Teil der Böschungen abgeflacht werden. Von den 16.000 m² des Festungsgrabens bleiben aber noch gut 600 m² Pflanzflächen, die sich mit einer Neigung von etwa 1:2 besonders präsentieren. Am Nordhang ist Wechselflor geplant, am sonnigen Südhang vor allem Kräuter. Damit diese Flächen auch gepflegt werden können, werden hier Sicherungen eingebaut.

Gestalterisch sind die Hänge natürlich toll und gerade das Besondere des Petersberges. Es macht ja eine Gartenschau aus, dass die Besucher hier etwas entdecken können, das es sonst nicht gibt.

DBG: Schauen wir mal auf die Pflanzen: Sie wählten Gemüsesorten, die aus Erfurter Züchtungen stammen. Gibt es bereits Pflanzlisten für den Hang?

Wer zieht diese Kräuter in einer qualitativ hochwertigen Güte an? (Dann könnte ich auch mal eine Reportage im Jungpflanzenbetrieb machen)

Ja, für die Auswahl der Pflanzen haben wir zahlreiche Betriebe in Erfurt und Umgebung besucht, Ideen von dort mitgenommen und immer wieder mit der BUGA abgestimmt. Der Landesverband Gartenbau Thüringen e.V. hat uns dabei sehr unterstützt und die Gärtner wollen sich alle gern einbringen. Gerade weil es in Erfurt und Thüringen so viele und so hochwertige Gärtnereien gibt, hat die BUGA diesen Beitrag vorgesehen. Die Entscheidung, wie und welche Betriebe letztendlich ausgewählt werden, hat sich die BUGA vorbehalten.

DBG: Welche historischen (Färberfarben usw.) und aktuellen Inhalte (Klima, Nachhaltigkeit, saisonal, regional) in Bezug auf die Pflanzung der Erfurter Gemüsesorten möchten Sie den Besuchern präsentieren? Erhalten Besucher dazu Informationen, vielleicht in den weißen gefalteten Pavillons? 

Die Besucher können im Festungsgraben auf dem Petersberg in die Themen Färber- und Faserpflanzen, Gemüse und Samenträger, Heil-Duft- und Gewürzpflanzen und Rosen eintauchen. Als wichtigste Färberpflanze wird der Färberwaid (Isatis tinctoria) gezeigt. Der Handel mit dem wertvollen blauen Farbstoff Indigo, der aus dem Waid gewonnen wird, hat Erfurt zu seinem Reichtum verholfen. Der Wohlstand aus dieser Zeit ist in Erfurt noch heute in der Altstadt gut abzulesen. Aber es werden auch andere Färberpflanzen, wie Färber-Krapp (Rubia tinctorium) und den attraktiven Färber-Wau (Reseda luteola) gezeigt. Das Besondere an der Gemüsepflanzung wird sein, dass aktuelle Sorten in direkter Nachbarschaft zu historischen Sorten zu sehen sein werden. Dabei konnten wir auf die Fachkenntnis der BUGA Freude, allen voran Herrn Dr. Blüthner vertrauen. So wird die Züchtungsleistung der Erfurter Gärtner auch Laien leicht verständlich. Das umfasst auch Arten und Sorten, die klimatisch angepasst sind und auch zukünftig mit dem Klimawandel bestehen können.

Bei den vielen Themen, die wir spannend finden, dürfen wir die Besucher nicht vergessen. Es nützt natürlich nichts, einen inhaltlich ausdifferenzierten Beitrag zu planen, den sich nur ein Fachpublikum ansieht. Ziel der BUGA ist es ja, durch Lebendigkeit und ausdrucksstarke Bilder ein breites Publikum anzusprechen.  

Insgesamt macht der Beitrag des Gartenbaus vor allem Lust auf die Vielfalt des regionalen und saisonalen Gemüses. Besonders freuen wir uns schon jetzt, dass die Outdoorküche im Festungsgraben auch direkt Ideen der Zubereitung liefert und Verkostungen anbietet!

Ich bin sicher, dass die BUGA zusammen mit den Ausstellern umfangreich und anschaulich über die Themen informiert. Was dort gezeigt wird, ist im Moment auch für uns noch eine Überraschung. 

DBG:  Wird es eine Bodenaufbereitung für die unterschiedlichen Ansprüche der Gemüsesorten geben? Die einen wollen einen hohen ph-Wert, die anderen einen niedrigen, die einen sind eher Oberflächenwurzler, die anderen entwickeln eine Pfahlwurzel - die Bewässerung muss hoch sein, beim Blumenkohl in gewissen Zeiten eher nicht, sonst drohen Pilz und Fäule - wie gleicht man das aus?

Der Boden ist für den Beitrag sehr wichtig. Obwohl unser Büro den Auftrag von der BUGA erst vor 6 Monaten erhalten hat, sind die Bodenarbeiten bereits ausgeschrieben. Dazu kommt die differenzierte Pflege der verschiedenen Kulturen. Eine gartenbaulich wirtschaftliche Fläche wäre einheitlicher gestaltet und so einfacher zu pflegen, da ist diese vielfältige Gestaltung schon aufwendiger. Auch wenn Gemüse gezeigt wird, ist der Beitrag schließlich eine Schaupflanzung zur Gartenschau.

DBG: Irgendwann steht der weiße Kohl, hängen dicke Bohnen an den Gestängen - wer darf abernten? (Oder wie hält man Besucher ab, ins Beet zu steigen??)

Die Entscheidung liegt natürlich bei der BUGA, aber zur Ernte gibt es natürlich viele tolle Möglichkeiten. Je nach Saison bieten sich immer wieder andere Aspekte. Von Verbandsveranstaltungen mit Ministerinbesuch bei dem geerntet, probiert und informiert wird, bis zu „Kochen ist cool“ vom Deutschen Familienverband Landesverband Thüringen ist unheimlich viel möglich. Wir haben einen Gemüsegarten ähnlicher Größe durch eine Landesgartenschau begleitet, daher sehen wir eher die Frage, alles Gemüse auch zu verarbeiten. Unserer Erfahrung nach wird es kein Problem oder sogar erwünscht, wenn die Besucher mal etwas probieren.

DBG: Auf der Bundesgartenschau ist gelernt, dass es dicht bepflanzte Flächen in ästhetischer Schönheit gibt - bei der BUGA gibt es keine Lücken im Beet.

So, wie es auch heute noch auf den Wechselflor - und Beetflächen im egapark zu sehen ist.  D. h. Pflegegänge und Nachpflanzungen müssen sorgfältig mit ausgebildeten Gärtnern geplant werden, mit wie vielen Pflegegängen in den sechs BUGA - Monaten rechnen Sie?

In der Aufgabenstellung hat die BUGA für den Beitrag das Thema vom „Saatkorn bis zum Produkt“ vorgegeben. Und wir denken auch, dass dies genau der richtige Ansatz ist. Es wäre sicherlich falsch Gemüse ohne Erde, Keimlinge und Jungpflanzen zu zeigen. Die Zeit, in denen steril gleichförmige Reihen als schön empfunden werden, ist sicher vorbei. Das ist auch nicht das Bild, das von Gemüse vermittelt werden soll. Die Bundesgartenschau-Gesellschaft sieht sich als Wegbereiter für nachhaltige ökologische Entwicklungen und Themen wie biologischer Pflanzenschutz, Insektenfreundlichkeit etc. sollen sich auch im Beitrag wiederfinden. Und wenn das Gesamtbild stimmt, gehört dazu natürlich auch mal eine Lücke.

Die Pflege während der Schau betreut die BUGA selbst. Ich meine, festgesetzte Pflegeintervalle sind nicht zielführend. Von fachkundigen Gemüsegärtnern angeleitete Kräfte sollten die Fläche durchgehend betreuen. Entscheiden ist die Identifikation der Gärtner mit „ihrer“ Fläche. Meine Kontakte zu den Betrieben um Erfurt waren sehr positiv. In der Vergangenheit konnte die Gartenschaugesellschaft immer Gärtner dafür begeistern, so dass wir damit bisher sehr gute Erfahrungen gemacht haben.

Erfahrungsgemäß lässt sich eine Gemüsepflanzung schwer mit einer Wechselflorpflanzung vergleichen. Das Besondere an dem Beitrag wird ja sein, dass von der Ansaat bis zur Ernte alle Entwicklungsstadien zu sehen sein werden – also auch nackter Boden.

DBG: Wie viele Erfurter Jungpflanzen-Betriebe sind mit der Vorproduktion betraut?

Die Frage ist auch für uns auch spannend. Wir haben uns in der Planung mit der BUGA und dem Landesverband Gartenbau Thüringen abgestimmt, die Produktion koordiniert jedoch die BUGA selbst. Das hängt wahrscheinlich auch von den Vergabemodalitäten zur Lieferung ab. Da die Produktion erst im nächsten Jahr startet, startet die BUGA das Verfahren im nächsten Jahr.

DBG: Gibt es ein Konzept für Blühendes während der Zeit des Blattaustriebs der Kohlpflanzen, um die Fläche attraktiv zu gestalten?

Welche Pflanzen sind vorgesehen?

Einige Pflanzen werden angesät, die Kohlpflanzen werden als Jungpflanzen gesetzt und die dauerhaften Pflanzen, wie die Kräuter, sind dann schon da. So zeigt sich gleich von Beginn an die grafische, lineare Anordnung, die für den Pflanzenbau zu typisch ist. Gleich zu Beginn der Gartenschau sollen aber auch Blüten zu sehen sein. Daher sind über 40.000 Geophyten vorgesehen, die Farbe bringen und Lust aufs Frühjahr machen.

DBG: Sind auch die bekannten althergebrachten Färber-, Kräuter- und Arzneipflanzen hier einbezogen?

Ja, hier bringen sich auch besonders der Thüringer Interessenverband Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen (TIHDG) mit Pflanzen und einem Infopavillon ein sowie zu den Historische Sorten und Samenträger Herr Dr. Blüther von den BUGA-Freunden.

DBG: Die blauen Rutschen und die weißen Pavillons sind originell - aus welchem Material werden sie produziert und was geschieht mit ihnen nach der BUGA - sind sie nachhaltig? (Vielleicht lässt sich damit punkten...)

Bisher sind die Pavillons nur für die Schau geplant, sie sollen danach wieder abgebaut werden. Die BUGA hat die Ausstellungsinhalte der Pavillons noch nicht festgelegt, das Material ist noch offen. Je nach Nutzung und Budget reicht es noch von textilen Materialien bis zum gemieteten Pavillon. Die Rutschen sind aus Edelstahl und sollen ebenfalls wieder abgebaut werden.

DBG: Können Sie schon sagen, was nach der Ausstellungszeit mit der Fläche geschieht?  

Der Ausstellungsbereich auf der Zitadelle Petersberg erstreckt sich zur BUGA über mehrere Plateaus. Das Obere Plateau wird momentan sehr aufwendig hergestellt. Hier entsteht direkt im Herzen der Innenstadt neben dem Dom ein neuer Platz und herrlicher Aussichtspunkt für die Bürger und Besucher der Stadt. Das Mittlere Plateau und der Festungsgraben waren lange nicht für die Bürger zugänglich. Im Zuge der BUGA werden neue Verbindungen geschaffen und alte Wege saniert, so dass die ganze Anlage durchwandert werden kann. Mit der BUGA rückt die ganze Zitadelle ins Bewusstsein der Stadt. Nach der BUGA wird die Zitadelle als Bürgerpark genutzt.

Wir danken Ihnen für dieses Gespräch!