Pflanzen für die Stadt der Zukunft – ein Interview mit David Zimmerling

Wie überleben zukünftig Kleingehölze und Stauden in den Parks und Gärten der Städte, wo sie nicht jederzeit Pflege und Wasser erhalten können, die notwendig werden, wenn wir weiterhin so überhitzte Sommer haben werden, wie die letzten drei Jahre. Wir sprachen mit David Zimmerling, M. Eng. Land-schaftsarchitektur. Er ist wissenschaftlicher Projektmitarbeiter an einem Forschungsprojekt in der Landesversuchsanstalt für Gartenbau in Großbeeren.

DBG: Seit wann gibt es das Forschungsprojekt KukPik zum Thema Kleingehölze und krautige Pflanzen für die Stadt der Zukunft? Wer unterstützt und fördert das Projekt an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik e. V. in Großbeeren?

Wir erhielten Ende 2020 eine Förderung von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin aus dem Berliner Energie- und Klimaschutz-programm 2030 zur Errichtung des Schau- und Sichtungsgartens mit Kleingehölzen, Stauden und verschiedenen Ansaaten. Im Frühjahr 2021 haben wir gepflanzt. Projektpartner sind der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Berlin und Brandenburg e.V. und der Gartenbauverband Berlin-Brandenburg e.V. Letzteres war es auch der uns ermöglicht hat, auf der LAGA Beelitz 2022 eine an das Projekt angelehnte Pflanzung zu erstellen.

DBG: Was wird dazu untersucht, welche Forschungsaufgaben haben Sie und dasTeam sich dazu gestellt?

Unsere Aufgabe ist es, zu untersuchen, welche Pflanzen und Pflanzweisen mit Hitze- und Trockenstress klar kommen und dennoch attraktiv sein können.

Neben der Hitze- und Trockenheitstoleranz der einzelnen Arten vergleichen wir unter anderem auch den Pflegeaufwand, die Attraktivität für Bestäuberinsekten und das Aufkommen von Wildaufwuchs in den verschiedenen Pflanz - und Mulchweisen.

Ein weiterer wichtiger Punkt des Vorhabens ist die direkte Einbindung der Versuchsfläche in die Kurse der überbetrieblichen Ausbildung sowie der Fort- und Weiterbildlung am Standort Großbeeren. Mit der vorläufigen Auswertung des Projektes Ende 2022 wird eine Handlungsempfehlung für die Verwendung  und Pflege von klimangepassten Pflanzungen für städtisches Grün zusammen mit einer Artenliste veröffentlicht.

DBG: Das ist natürlich auch interessant für die Gartenschauparks der Zukunft. Wie man lesen konnte, haben Sie auch auf der Landesgartenschau in Beelitz gerade ein Staudenbeet angelegt, das an den Versuch in Großbeeren angelehnt ist.  Was ist das Besondere dort?

In Beelitz stand auch wieder die Trockenheitstoleranz sowie die Attraktivität für Bestäuberinsekten im Vordergrund. Als dritter Aspekt kam die Ästhetik für uns Menschen dazu. Dabei überschneidet sich das oft mit dem Wunsch nach einer hohen Biodiversität: Wir möchten Blüten vom Frühjahr bis zum Frost, wir möchten eine Fülle an Pflanzen und wir möchten spannende Strukturen und Texturen zeigen. Warum kann man das also nicht kombinieren und auch auf Gartenschauen zeigen?

Im Vergleich zu unserer Pflanzung an der LVGA haben wir in Beelitz unsere Artenpalette erweitern, da wir hier einen absonnigen Standort haben. Außerdem haben wir auch ein paar unserer Kleingehölze in die Fläche integriert, wie Perovskia atriplicifolia ´Little Spire´ und Cistus laurifolius.

Leider konnten wir erst im Herbst vor der Eröffnung pflanzen. Um dennoch den hohen Anspruch an einer Pflanzung auf einer Gartenschau nachzukommen, haben wir zwei Wildtulpenarten sowie zwei Allium Arten auf der Fläche aufgebracht. Insgesamt haben wir 899 Stauden gepflanzt und 4.500 Zwiebeln gesteckt.

DBG: Welche technischen Daten gibt es dazu?

Zur Reduzierung des Pflegeaufwandes und der Verdunstung wurde die Fläche in Beelitz mit einer Mulchschicht aus Kies 2/8 gemulcht. Dies stellt eine Erweiterung zu den bisher im Projekt verwendeten Mulchstoffen (Rindenhumus, Kalksplitt 8/16, Estrichsand 0/16) dar und soll die Aufmerksamkeit der Besucher auf die Mulchschicht lenken.

DBG: Wie werden im Weiteren Besucher auf das Beet und die Forschung aufmerksam gemacht?

Es gibt Infomaterial und Informationsveranstaltungen zum Thema auf der Landesgartenschau, was vom Publikum sehr gut angenommen wird.

Auf der Infotafel gibt es auch einen Link zu unserer Homepage, wo wir in regelmäßigen Abständen Hintergrundinformationen zur Pflanzung bereitstellen. Uns ist es wichtig den Betrachter neugierig und offen für Neues zu machen.

DBG: Haben Sie schon erste Erkenntnisse aus Ihrem Forschungsvorhaben gewinnen können?

Leider ist es zu früh, jetzt schon über Erkenntnisse zu sprechen. Wir sehen aber, dass unsere Pflanzungen, trotz der extremen Trockenheit in diesem Jahr, immer noch gut da steht. In Großbeeren haben wir unsere Pflanzungen bisher nur zwei Mal wässern müssen. Eins kann ich aber verraten: Es lohnt sich genauer hin zuschauen, wer alles unsere Stauden und Kleingehölze besucht. Das ist eine faszinierende Welt!

 

Alle Bilder: LVGA Großbeeren