Japangärten in Deutschland

Japangärten haben mich schon im Studium fasziniert und weiter bis ich 1973 hier in Karlsruhe als Mitarbeiter des Gartenbauamtes mit dem ältesten öffentlich zugänglichen Japangarten Deutschlands in Berührung kam. Beharrlich sammelte ich alle Informationen über ihn. Zum 100. Jubiläum konnte ich 2014 ein kleines Buch „Der Japangarten in Karlsruhe“ veröffentlichen. Fünfzehn Japanreisen mit Vorträgen und Reiseführungen durch die Gärten Japans ließen den Plan reifen, das Buch „Japangärten in Deutschland“ zu schreiben, das nebenstehend besprochen wird.

Meine Recherche zum Buch lässt die These zu, dass die große Bekanntheit der Japangärten in Deutschland ganz wesentlich durch die Gartenschauen bewirkt wird, denn die Hälfte der ermittelten 40 Gärten zeigt, dass sie in Verbindung zu einer Gartenschau stehen.

Japangärten beeindrucken auch uns Deutsche immer wieder durch ihre natürliche ostasiatische Gestaltung, ihre besondere Atmosphäre und ergreifende Ruhe, aber auch durch die hohe Professionalität der Anlage und der gekonnt intensiven Pflege. Ein Besuch der langjährigen Kaiserstadt Kyoto, für mich die Hauptstadt der Japangärten überhaupt, wird  jeden überzeugen und verzaubern, der sich für diese Gärten interessiert. Um die Japangärten hier in Deutschland gut zu verstehen, sollte man einen Überblick über die Entwicklung der Gärten und ihre wesentlichen Typen im Ursprung haben, da sie auch hier in Deutschland in diesen Gestaltungen zu finden sind.

Typologisierung und Naturempfinden

Prof. Keiji Uyehara von der Universität Tokyo, der den Japangarten in Karlsruhe zur Bundesgartenschau 1967 nach der klassischen japanischen Konzeption überplante und erweiterte, führte bei seiner Planung aus, dass die japanischen Gärten wie die anderen typischen nationalen Gärten durch die folgenden vier Kriterien geprägt werden:

  1. Landschaft
  2. Klima
  3. Entwicklung der Gesellschaft und Religionen
  4. Anstöße aus dem Ausland

Die Landschaft Japans ist eine bergige Insellandschaft, die durch das Wasser geprägt ist.  75 % seiner Fläche ist so bergig, dass nur die restlichen 25 % für die Landwirtschaft und die Siedlung genutzt werden können. Das Wasser umtost die Inseln, strömt von den Bergen durch die Ebene ins Meer und prägt so die Landschaft und auch die Gärten.

Japan ist grob Nord-Süd ausgerichtet und weist so mehrere Klimazonen mit großer Artenvielfalt auf. Nicht alle Pflanzen Japans können bei uns wachsen, da es dort viele Bereiche gibt, die wärmer sind und keinen Frost kennen.  

Das 3. Element sind die historische Entwicklung der Gesellschaft zum Beispiel mit den Kriegen und Einigungsbemühungen zum japanischen Staat und die Religionen. Da Natur und Gärten in der Naturreligion des Schintoismus und ab dem im 6. Jahrhundert eingeführten Buddhismus eine größere Rolle spielen wie bei uns, hat die Gartenkunst in Japan eine größere Bedeutung. Der Mensch ist in beiden Religionen Mitlebewesen der Natur, nicht ihr Beherrscher und der japanische Einwohner ist deshalb naturverbundener.

Sehr wesentlich sind in Japan die Anstöße aus dem Ausland. Die Gartenkunst wurde anfangs      

von dem höher entwickelten China übernommen, ehe im 8./9. Jahrhundert eigene Gartenformen entwickelt wurden. Nach dem Ende der Isolation 1868 spielte auch die westliche Gartenkunst eine spürbare Rolle, so tauchten zum Beispiel Rosengärten und Sommerblumenpflanzungen auf.

Wie unterschiedlich Wasser als Element eingesetzt wird

Die Vielfalt der Japangärten kann in einige typische Gruppierungen eingeteilt werden.

Als erstes entwickelten sich neben den Nutzgärten die Teich- und Hügelgärten (Tsukiyama), die aus China übernommen wurden. Die frühen Gärten sind heute nicht mehr vorhanden. Durch Gartenausgrabungen in der ersten Kaiserstadt Nara sowie schriftlichen und zeichnerischen Überlieferungen kennt man diese Gärten aber recht gut. Sie waren Landschaftsgärten, wie grundsätzlich alle Japangärten. Sie sahen asymmetrisch, natürlich, harmonisch wie verkleinerte Landschaften aus mit Wasserflächen, Inseln und Hügeln. Mitte des sechsten Jahrhunderts kamen mit dem Buddhismus die Paradiesgärten nach Japan, die ebenfalls Teich- und Hügelgärten waren.

Die zweite Gartenform war der Zen-Trockengarten (Karesansui), eine durch die Zen-Mönche in Japan entstandene Gestaltung. Die Mönche hatten in China den Chan-Buddhismus kennengelernt und entwickelten, als sie nach Japan zurückgekommen waren, den Zen-Buddhismus. Sie strebten die Erleuchtung durch ernste, intensive Meditation an und reduzierten ihr Umfeld auf das Wesentliche, um den Sinn des Lebens und der Natur zu erfassen. Aus Wasserflächen wurden geharkte Kiesflächen, aus harmonischen Hügeln Natursteine, die für die Japangärten so wichtigen Steine, als schroffe Felsen, Inseln, Tiere, usw. Die Kargheit dieser „trockenen“ Gartenflächen wurde den üppigen Pflanzen der Umgebung gegenübergestellt und sollte im Kontrast die inneren Zusammenhänge und die Bedeutung der Natur für uns Menschen verdeutlichen.

Die Teegärten (Chaniwa) entstanden als dritte Gruppe ebenfalls in Japan auf Basis des Zen-Buddhismus. Sie sollten mit den einfachen Teehäusern einen würdigen Ort für die Teezeremonie (Chan no yu) schaffen, wo der Tee in Demut und nach strengen Regularien aufgebrüht, gereicht und getrunken wurde.

Der Garten – ein perfekter Ort für die Teezeremonie

Sen no Rikyu entwickelte als nationaler Teemeister im 16. Jahrhundert die Grundsätze der Teezeremonie, die im Prinzip heute noch gültig sind. Durch den Teegarten wurden die Steinlaternen (Ishi-doro), die Schrittplatten (Tobi-ishi) und die skulpturhaft geschnittenen Sträucher (Karikomi) in alle Gartenformen eingeführt und sind heute deutliche Zeichen der Japangärten geworden.

Der japanische Wandelgarten (Chisen-kaiyu-teien) entstand als vierte Gartenform nach der kriegerischen Einigung Japans durch Shogun Iejasu nach 1600 in der neuen Hauptstadt Edo. Er befahl seinen Gebietsfürsten (Daimyos) dort Residenzen für ihren gesamten Hofstaat zu errichten und die meiste Zeit des Jahres anwesend zu sein. Es entstanden auch große Wandelgärten für den Aufenthalt, für Feste und zur Repräsentation mit großen Seen, Inseln, Hügeln, Brücken und vielen Bäumen und Sträuchern, die intensiv gepflegt wurden. Sie sind Vorläufer der heutigen Parks.

Die fünfte Gruppe der Gärten sind die Haus- Hof- und Innengärten (Tsuboniwa). Es sind kleinere Gärten am Haus, die sich entwickelten nachdem Handwerker und Händler in den Städten zu Geld gekommen waren und sind die Vorgänger der heutigen Hausgärten.

Der Nachfolger von Shogun Iejasu verfügte die Isolation Japans 1638. Außer mit China wurden kaum noch Außenkontakte geduldet. Das durch die USA 1868 erzwungene Ende der Isolation führte zum Zusammenbruch Japans und erst jetzt strömten die Informationen wieder ungehindert in die ganze Welt. Damit eröffneten sich auch verschiedene Wege für die Japangärten nach Deutschland, Europa, Amerika.

1868: Japan öffnet sich und erste japanische Gärten entstehen in Deutschland

Für die Unterstützung des Neuaufbaus lud Japan viele Berater ins Land, die zum Teil sehr angetan von den Japangärten waren und bei ihrer Rückkehr ins Heimatland die Anlage solcher Gärten anstießen. So entstand nach der Rückkehr eines Arztes in Karlsruhe 1914 der erste öffentlich zugängige Japangarten in Deutschland.

Ab 1912 ließ sich der Generaldirektor von Bayer-Leverkusen Carl Duisberg bei seiner Dienstvilla einen Japangarten anlegen, da er auch in Ostasien unterwegs gewesen war und Gefallen an den Japangärten gefunden hatte.

Am frühsten begann jedoch der hessische Großherzog Ernst Ludwig als Teil des deutschen Adels 1890 japanische Bäume bei seinem Schloss Wolfsgarten in der Nähe von Darmstadt zu pflanzen und mit der Anlage seines Japangartens zu beginnen. Graf Friedrich von Hochberg war auf seinen Weltreisen auch in Japan gewesen und begeistert von den Gärten. Ab 1902 legte er bei seinem Schlösschen Halbau, heute Ilona in Polen, einen Japangarten an und gab den Anstoß für den Japangarten bei der großen nationalen Gartenschau in Breslau 1913.

Nachdem Japan auf der Weltausstellung in Wien 1873 erstmals mit seinem Japangarten große Begeisterung geweckt hatte, war der Weg frei für die Anlage von Japangärten in Gartenschauen wie 1904 in Düsseldorf und Messen wie 1909 in Frankfurt.

Städtepartnerschaften und Deutsch-Japanische Gesellschaften öffneten ebenfalls Wege für japanische Gärten in Deutschland wie in Freiburg oder Winsen an der Luhe.

Besondere Anlässe wie der Besuch der japanischen Kaiserin Michiko in den Bodelschwinghschen Anstalten Bethel führten zur Erinnerung ebenfalls zur Anlage eines Japangartens.

Blütezeit Mitte des 19. Jahrhunderts

Neben den öffentlich zugänglichen Japangärten gibt es in Deutschland natürlich eine viel größere Anzahl an privaten japanischen Gärten, die im Buch natürlich mit angesprochen sind und die ebenfalls eine lange Geschichte haben. So baute sich Alfred Unger 1909 in Heidelberg einen privaten Japangarten, als er aus Japan zurückkam, wo er die Gartenhandlung für Ausländer im Hafen von Tokyo geführt hatte.

Das Buch „JAPANGÄRTEN  IN  DEUTSCHLAND“ enthält eine Karte, die zeigt, dass die 40 öffentlich zugänglichen Japangärten über ganz Deutschland verteilt sind. Eine Tabelle weist aus, dass die Größen der Gärten sehr unterschiedlich von 150 qm bis 13600 qm sind. Die zweite Tabelle enthält die Jahreszahlen der Anlage der Gärten, die sehr deutlich Auskunft gibt, dass die heute vorhandenen Gärten ganz überwiegend ab Mitte des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Den größten Unterschied zwischen den Gärten der beiden Länder habe ich in der Pflege der Gärten festgestellt, die in Japan viel intensiver ist und zum Beispiel durch den professionellen kontinuierlichen, intensiven Gehölzschnitt einen natürlicheren Eindruck macht.

Die drei ältesten öffentlich zugänglichen Japangärten sind in Karlsruhe, Leverkusen und Wolfsgarten bei Darmstadt zu finden. Erstaunlich ist die Diversität bei der Größe der Gärten, aber das ist in Japan ebenso. Das Wasser spielt wie in Japan auch hier bei den Gärten in Deutschland eine große Rolle. Oft wird die gesamte Wasserlinie von der Quelle in den Bergen bis zum Meer dargestellt, aber oft auch nur ein Teilstück daraus. Bei den japanischen Gärten spielen bei der Bepflanzung viele grüne Töne eine große Rolle, in die gezielt einige wenige Blühhöhepunkte im Laufe des Jahres eingefügt werden. Ein durchgehender Blütenflor über die ganze Vegetationssaison, wie oft in unseren Gärten, ist in Japan bei den traditionellen Gärten nicht üblich. Wie in Japan beinhalten die Gärten oft verschiedene Gartentypen, die auch zeitlich versetzt nach einander angelegt worden sein können. So wurde der Japangarten in Karlsruhe erst 2017/18 durch einen Teegarten mit Teehaus abgerundet und weist nun alle vier Grundtypen auf.

Autor: Dipl.-Ing. Horst Schmidt, Karlsruhe                                                              
Literatur:
chmidt, Horst. Der Japangarten in Karlsruhe, Info Verlag Karlsruhe 2014
Schmidt, Horst. Japangärten in Deutschland,  Info Verlag Bretten 2020