Eine erstaunliche Metamorphose: vom Steinbruch zum Park

An der Loire, genauer in Nantes, findet gerade ein umfassender innerstädtischer Strukturwandel statt, zu dem Brachen und grüne Freiflächen, Parks und Gärten aufgewertet und vor allem mit Kunst attraktiv gestaltet werden. Jüngstes Schmuckstück ist der zentrumsnah unterhalb des Jules-Verne-Museums gelegene ehemalige Granitsteinbruch, bislang Terra incognita, den man in einen exotischen Garten verwandelte. Zudem bietet der „Jardin extraordinaire“ einen Rundweg und sieben Aussichtspunkte, die eine Verbindung zu Nantes' belebtem Chantenay Viertel herstellen. Der Steinbruch mit seinen hohen Klippen und der Vegetation bildet ein einzigartiges natürliches Amphitheater.

Das besondere Klima des Steinbruchs, geschützt vor Westwinden und erwärmt durch seine hohen Klippen, ermöglichte den Anbau exotischer Pflanzen. Über 200 Arten fanden hier ein Zuhause. Ein Wasserfall, aus dem ein leichter Nebel austritt, bietet Baumfarnen, Bananen, Papyrus, Lotus und Gunneras die notwendige tropische Feuchtigkeit. Der Wunsch, die magische Welt von Jules Vernes „Voyages Extraordinaires“ nachzubilden, dessen Geburtsort sich in der Nähe befindet, war auch der Grund für die Wahl dieser üppigen Pflanzen. Stellenweise sieht das seit über 15 Jahren brachliegende Gelände bereits wie ein tropischer Wald aus.

Zu den touristischen Attraktionen gehören sicher der 25 Meter hohe Wasserfall, ein riesiger, fast urzeitlich anmutender Lorbeer und eine Höhle aus einem Roman von Jules Verne. Letzteres ist eines der Projekte, die bis 2023 seine fantasievollen Welten mit den Apparaten von Leonardo da Vinci und der industriellen Vergangenheit von Nantes verknüpfen wird.

Atemberaubende Ausblicke aus 35 Metern Höhe

Als Teil dieses Projekts entsteht bis 2023 der „L’arbre aux Hérons“ – ein 35 Meter hoher, begehbarer Baum aus Stahl mit zwei kunstvollen Reihern auf den Wipfeln. Das begrünte Monument ist 55 Meter breit und bietet auf 22 Bänken Platz für 450 Personen. Der Baum ist eine Metallkonstruktion mit einem Gewicht von fast 1.500 Tonnen Stahl - das Äquivalent eines Frachtschiffs! Von Ast zu Ast können Besucher auf einer Strecke von fast einem Kilometer erstaunliche hängende Gärten, aber auch mechanische Insekten entdecken. Oben auf dem Baum steigen sie unter den Flügeln zweier Riesenreiher für einige Minuten in den Himmel von Nantes auf. Hier bietet sich ein atemberaubendes Panorama über die Stadt, die Loire, die Isle de Nantes und das Bas-Chantenay. Der Park wird der Ausgangspunkt für drei Kurse auf dem Bas-Chantenay sein: der Hügelkurs wird die Nachbarschaftsparks vom Schwobplatz aus verbinden. Dann wird die Rue des Usines wiederbelebt. Und vom ehemaligen Miséry Steinbruch bis Roche Mausrice wird die Loire neue Zugänge und Aussichtspunkte erhalten. Auch diese sind durch ihre spektakuläre Architektur, wie das Schwalbennest von Tadashi Kawamata, - siehe rechts auf der Seite – weitere Attraktionen.  

Frisch prämiert mit dem Green Cities Award

Anfang Dezember 2021 ist der Park "Le Jardin Extraordinaire" mit dem European Green Cities Award ausgezeichnet worden. Der Preis wird vom Europäischen Baumschulverband European Nurserystock Association (ENA) im Rahmen des EU-Projekts "Mehr grüne Städte für Europa" verliehen. Die Jury hob hervor, dass das Projekt eindrucksvoll zeige, wie eine solche Landschaftstransformation die ökonomische und kulturelle Anziehungskraft der Stadt Nantes steigern könne und für die Menschen der Stadt einen neuen, attraktiven Treffpunkt schaffe. Gewürdigt wurde die enge Zusammenarbeit von Landschaftsplanung, Design und Baumschulen im Projekt. Die bedachte Pflanzenauswahl sorge zudem für eine gut integrierte Biodiversität, so die Jury.

"Le Jardin Extraordinaire" trat in diesem Jahr gegen zwölf nominierte Projekte aus Polen, Bulgarien, Schweden, Portugal, Italien, Irland, Ungarn, Griechenland, Dänemark, Belgien, den Niederlanden und Deutschland an. Jedes beteiligte Land konnte für den Award ein nationales Projekt auswählen, das mit seiner Innen- oder Außenbegrünung einen echten Mehrwert für Mensch und Umwelt schafft und idealerweise "Nachahmerwirkung" hat. Die eingereichten Projekte der Teilnehmerländer wurden anschließend von einer internationalen Jury bewertet, die sich aus delegierten Expert*innen aus allen Ländern des EU-Programms "Mehr grüne Städte für Europa" zusammensetzte. Einen weiteren Einblick zum Sieger und ein Überblick der nominierten Projekte und der Mitglieder der Fachjury findet sich auf www.thegreencities.eu

Der „Jardin extraordinaire“ wurde von idverde-Experten geplant und entwickelt und derzeit bis 2023 von idverde realisiert. https://idverde.de/

Fotos/Copyright: phytolab