Domaine de Rayol – ein grüner Sehnsuchtsort

Im Augenblick sind wir vielleicht noch nicht so wirklich entschlossen, die französischen Küsten zu bereisen. Vor allem die hochfrequentierte Cote d’Azur. Aber gerade dieser Küstenabschnitt Frankreichs hat wunderschöne Naturparks und private – heute teils öffentliche – Gärten zu bieten. Einen Sehnsuchtsort sollte man sich gleich mal für die nächsten Frankreichferien merken: die Domaine de Rayol in Rayol-Canadel-sur-Mer. Sie liegt am Fuße des Massif des Maures und gegenüber der Iles d'Hyères im Var zwischen Le Lavandou und Saint-Tropez.

Ein Kleinod auf 20 Hektar, das um 1900 als eine Belle-Epoque Sommerresidenz entstand. Sie diente seinen Besitzern mit malerischen Ausblicken auf das Meer und einer üppigen, typischen Küstenlandschaft als sommerlicher Feriensitz. Zur Villa “Hotel de la Mer“ ließen Theodore Courmes und seine Frau Therese im Lauf der Jahre ein Gutshaus, die Villa „Le Rayolet“ und eine Säulen-Pergola erbauen. Auch ein Tempel ergänzte das Ensemble, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf das Mittelmeer hat.
1940 kaufte der französische Flugzeugbauer Henry Potez das Anwesen und nutzte das suptropische und teils trockene Klima und die verschieden ausgerichteten Standorte auf dem Gelände für seine exotische Pflanzenleidenschaft: Baumfarne und Eukalyptus aus Australien fügten sich hier ebenso ein, wie Mimosen oder chilenische Ananasgewächse und Artischocken-Schillerbäume aus Südafrika. 1981 war der Traum zu Ende gelebt - Potez, der Flugzeugbauer, verstarb mit 91 Jahren und der Park verfiel zusehends der überwuchernden, typischen Küstenvegetation. Schließlich übernahm 1989 die Küsten- und Naturschutzbehörde Park und Villa und ließ unmittelbar danach den damals schon bekannten französischen Gartenarchitekten Gilles Clement auf das Anwesen, um vorsichtig zu restaurieren und neu zu pflanzen – die alten Strukturen freizulegen und neue Strukturen einzuziehen.

Heute können sieben Gärten in diesem Park besichtigt werden: Hinter Aleppo Kiefern und Oleanderbüschen öffnet sich z. B. der planetarische Garten: naturbelassen und wildromantisch. Über enge, steinige Pfade gelangt man nach Südamerika, wo Säulenkakteen, Palmlilien und dornenbewehrte Agaven wachsen. Über eine 93 Meter lange Freitreppe mit Klippengarten kommt man auf den afrikanischen Kontinent mit Strelitzien, Proteen und wilden Bougainvillea.
So können Besucher in drei oder vier Stunden ihren Aufenthalt auch noch in Mittelamerika weiterführen, Südseemyrten studieren oder kanarische Drachenbäume  - es ist spannend und bezaubernd zu sehen, wie es Gilles Clement geschafft hat, Biotope zusammenzufügen, die scheinbar zum Ort gehören und nicht allzu fremd wirken. Er hat geschickt verwoben, was vorhanden war und Achsen geschaffen, um ästhetische Verbindungen herzustellen. Selbst ein Unterwassergarten integriert sich hier scheinbar selbstverständlich. Wer über die ursprüngliche Macchia mehr erfahren möchte, wird auch speziell dorthin geführt. Sie verbindet viele Vegetationsbilder, denn sie ist eine Pflanzenformation, die entweder auf kieselhaltigem Boden wie hier in den Mauren oder auf Boden vulkanischen Ursprungs wie in der festen Masse von Esterel etabliert ist.
Wir finden diese Art von Vegetation überall am Mittelmeer, auf Korsika, in der Türkei, auf Zypern, in der libyschen Cyrenaica, oder in Marokko. Dazu passt die Cistrosensammlung, die einem noch einmal die Schönheit der ursprünglichen Landschaft vor Augen führt.

Viel Vergnügen! Schauen Sie bei Google die Fotos an – ganz sicher kommt dieser Park auf Ihre zukünftige Reiseliste, man muss ihn einfach besitzen – wenn auch nur auf dem eigenen Instagram-Account!