In Irland zu entdecken: Jimi Blake's florale Welt

Vom Parkplatz windet sich ein schmaler Pfad in sanftem Schwung einen Hügel hinauf. Schon das Entrée von Hunting Brook Gardens ist ungewöhnlich. Statt strukturierter Beete rahmen beidseitig des Pfades zwei langgezogene Flächen, 'Freds Garten', den Hügel. Sie sind, neben typischen Sommer-Blumen, vollgestopft mit ungewöhnlichen Pflanzen, Formen, Texturen - und das Ganze extrem farbenfroh. Ziemlich wild wirkt alles, eine überbordende botanische Explosion. Wo soll man nur zuerst hinschauen? Also erstmal den Besitzer begrüßen. Jimi Blake, Irlands neuer grüner Guru, besitzt eine der größten privaten Pflanzen-Sammlungen der Insel. Er empfängt mit einladendem Lächeln, über den Shorts ein fesches, kleingeblümtes Hemd, sein Markenzeichen. Braungebrannt, dünn, kräftig, groß - wie seine zahlreichen hoch aufgeschossenen Baum-Exoten, die überall in den Himmel ragen. Hauchdünne staksige Stämme mit markant gestreifter braun-weißer Rinde, in luftiger Höhe verzweigen sich kleine Kronen wie Fächer mit feingefiedertem Laub. „Das ist 'Aralia Echinocaulis', eine von zahlreichen Aralien-Arten hier“, erklärt Jim. Die Samen brachte er während einer seiner vielen Expeditionen 2003 aus China mit. Inzwischen bilden sie einen transparenten Mini-Wald, „ich mag ihren ungewöhnlichen, fast tropischen Effekt“. Sie sind zum dominanten Signal von Hunting Brook geworden. Auf dieser Seite schenken sie sanften Schatten für das dicht gewebte, in vielen Grüntönen gehaltene Potpourri darunter, Farne, Gräser wie Neuseeländisches Pampasgras (Cortaderia richardii), Blattschmuckpflanzen, durchsetzt von blauen Polstern des Storchschnabels 'Rozanne'. Vis-à-vis wuchert ein Pflanzen-Puzzle in gelungenem Colour Clash: schwefelgelbe Königskerzen (Verbascum bombyciferum) neben knallpinken Lichtnelken 'Hill Grounds', „mein vibrierendstes Pink!“ Die blassvioletten KandelaberKerzen des Riesen-Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum) wippen neben dunkelviolettem Ziersalbei 'Amistad' und limettengelber Wolfsmilch. Weiter oben am Weg kommen auffällige Sukkulenten, Dickblatt-Rosetten (Aeonium) - am markantesten 'Vodoo' mit auf hohem Stängel herausragender dunkelpurpurner Rosette – sowie Kakteen hinzu. Beides ist auch in Töpfen zu aparten Stillleben arrangiert. Der säulenförmige grausilbrige Silberkerzenkaktus (Cactus Cleistocactus) stammt aus Bolivien, neben ihm die gefährlich messerscharf gezahnten, giftgrünen Blätter der Bärentatze (Acanthus senni), dahinter eine Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica araucarioides) mit algengrünen winzigen Nadeln wie Perlenschnüre. Jimis Credo: „Pflanzen aus total verschiedenen Lebensräumen ergeben tolle Sommer-Bilder“.

Pflanzenmigranten, Exotisches, Annuellen – bei Jimmy mischt sich alles

Deshalb drapiert er zwischen die Exoten Tuffs von Ringelblumen 'Indian Prince' und Montbretien 'Orange Glory' in fettem Orange. Orange, Purpur und Pink sind seine Favoriten, ob bei Ziersalbei, Astilben oder den aus Samen selbstgezogenen Dahlien. Allein wegen der faszinierenden Vielfalt von Ein- und Zweijährigen, Zwiebelblühern, Sträuchern, Gehölzen und Stauden wäre Hunting Brook eine Reise wert. Außergewöhnlich wird der Ort durch die vielen Einwanderer, die wie willkürlich, dennoch mit Kalkül, eingestreut sind. Das zeigt sich besonders auf der Hügelkuppe, wo, von vielen Sträuchern umrahmt, das aus Polen importierte Holz-Blockhaus, privates Refugium mit Raum für Vorträge und Gartenkurse, thront. Auf der Terrasse davor laden ein langer rustikaler Tisch und kunterbunte Vintage-Stühle zur Rast. Ideal, um 'Ashleys' Garten, das amorph geformte Herz der Anlage, zu bestaunen. Hier vibriert die Natur vor Energie und Dynamik. 'Flower Power' à la Jimi, der konventionelle Englische Rabatte, Prärie-Garten und Tropen-Touch unorthodox und extravagant fusioniert. Der gewagte Twist ist stets stimmig: über einem ovalen, stachlig-kompakten Kaktus (Trichocerus) schweben als Weichzeichner die fragilen Blüten von Nelkenwurz (Geum 'Totally Tangerine') in Lachs-Orange. Etliche Exoten ragen als Leuchttürme aus dem dichten Dschungel: diverse Sorten des über zwei Meter hohen Blumenrohres (Canna), 'Bird of Paradise' hat „die wundervollsten Blätter“. Bei den Bananen-Pflanzen besitzt Ensete Ventricosum 'Maurelii' mit grün-violett gemaserten Blättern, „das exotischste Laub meiner Tropenpflanzen“, ebenso auffällig 'Bengal Tiger' mit dicken dunkelvioletten Streifen. Daneben ragen in magischem Magenta die Rispen der Astilbe 'Purpurlanze', wippen graziös in hellem blauviolett die fragilen Blüten der Wiesenraute (Thalictrum 'Splendide'), Jimis neuestem Liebling, ragen die orangene Tigerlilie und kräftig rote Salbeiblüten empor, akkordiert vom Riesen-Natternkopf (Echium pininana) von der kanarischen Insel La Palma. Auch Palmen strecken ihre Wedel aus, obwohl die Lage mit 300 Metern über Meereshöhe und Wintern bis auch mal minus 18 Grad nicht ideal ist. „Von wegen Golfstrom“, stellt Jimi klar, „hier ist einer der kältesten Gärten Irlands“. Also müssen viele der tropischen Pflanzen im Winter ins Gewächshaus gehievt werden.

Großes Vorbild: Great Dixter

Das Faible für kräftige Farb-Kontraste bekam er durch ständige Besuche im englischen Great Dixter, dem ikonischen Vermächtnis von Christopher Lloyd. Ebenso beeinflusste ihn der Austausch mit Irlands Grand Old Garden Lady Helen Dillon, die über ihn sagt: „Jimi ist ein Original, kopiert niemanden, er schafft Magie ohne jegliche Struktur, sehr aussergewöhnlich!“ Stattdessen hat dieser Freak die Pflanze im Focus, ihren Habitus, die Farbe der Blätter und vor allem deren Formen – je imposanter und ausgefallener, desto lieber. Zu den 'Kronjuwelen' seiner 'Funky Foliage' gehören der Mexikanische Baum-Mohn (Bocconia frutescens) mit an Federmohn erinnerndem gefurchten Laub, die immergrüne Taiwan-Aralie (Fatsia polycarpa) mit esstellergroßen, bis zu neunfach tief gelappten, dunkelgrünen ledrigen Blättern, und als Superstar die aus dem Himalaya stammende Milde Strahlen-Aralie (Brassaiopsis Fatsioides).

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