BUGA Erfurt 2021: Claudia West im Interview

Die Pflanzplanerin und Designerin stammt aus Sachsen, lebt in den USA und gehört dort zu den führenden Persönlichkeiten, wenn es um ökologische Pflanzungen und öffentliches Grün geht. Sie ist Buchautorin und als Rednerin gefragt.

Was haben Sie in Erfurt gesehen?

Ich war nur im egapark, da ich nicht viel Zeit hatte. Das Gelände kenne ich, seit ich ein Kind war. Es war super schön zu sehen, dass ihm die BUGA wieder neues Leben eingehaucht hat. Das hat es dringend gebraucht, denn manches hat sich über die Jahre ein bisschen vernachlässigt angefühlt. Jetzt ist wieder Farbe reingekommen!

Was waren ihre Highlights?

Der Kontrast aus Alt – den Bauwerken im egapark - und Neu – den tollen Beeten - hat der BUGA einen eigenen Charakter gegeben. Sehr gefreut hat mich auch, dass dem Karl-Foerster-Garten neues Leben eingehaucht worden ist. Es war interessant zu sehen, was an seinen Züchtungen noch da ist und was sonst gepflanzt wurde. Wirklich ein Highlight! Hier ist eine gute Balance gefunden worden – der Garten spricht die Mehrheit der Besucher an, hat aus Sicht der Fachleute trotzdem ein hohes Niveau.

Was hat Sie am meisten überrascht?

Das Danakil! Leider konnte ich nicht hinein, da ich keine Karten vorbestellt hatte, und es war eine Riesenschlange davor. Ich finde es interessant, dass etwas integriert ist, bei dem der Fokus nicht auf Stauden und Gehölzen liegt. Auch überrascht hat mich, dass manche Flächen wild sein durften. Auf der Lilienterrasse stand zum Beispiel alles in Reih und Glied. Dahinter am Hang war aber beinahe Wildnis, das fand ich sehr spannend. Es kam ein Gefühl von Natur durch. Auf einer amerikanischen Gartenschau wäre das nicht möglich. Wenn da nicht alles bis auf ein paar Zentimeter runter gemäht ist, tun sich die Leute sehr schwer damit.

Was ist Ihnen besonders aufgefallen?

Die BUGA hat den Charakter der IGA erhalten. Ob das gut oder schlecht ist, muss jeder selber entscheiden. Für mich fühlt es sich sehr „ost“ an, aber es ist ja auch Teil der ostdeutschen Kultur.  Kritisch sehe ich so etwas wie die Betonkübel mit uralten Efeu-Exemplaren oder auch Berberitzen – Pflanzen, die wir hier in den USA gar nicht mehr verwenden. So etwas zu sehen hat sich angefühlt, als wäre ich 40, 50 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Aber das Gelände hat ja eine alte Geschichte, auch mit seiner Architektur.

Woraus hätte man mehr machen können?

Jede BUGA braucht ihre Einjährigen, die Rosen und die Dahlien. Das ist auch gut gelungen. Aber ich hätte mir mehr Innovation gewünscht. Mehr Fokus auf aktuelle Themen, die zwar da waren, aber eher am Rande. Im Mittelpunkt standen die Beete voller Farbe. Aber was ist mit Naturgarten, Pflanzen für Insekten, Dachbegrünung, Regenwasser, Klimawandel? Die hätten stärker vertreten sein können, um ihre Message an die Menschen zu bringen. Ich bin zwar kein Fan von zu vielen Schildern, aber ein bisschen mehr Information wäre gut gewesen.

Welche Themen finden Sie besonders wichtig?

Bei uns in den USA dreht sich in Pflanzfragen momentan alles um den Klimawandel, Insekten, Regenwasser und Biodiversität. Bei der BUGA ging es auch darum, zum Beispiel waren mediterrane Pflanzen zu sehen, die ja Einzug halten in Zentraleuropa und oft auch winterhart sind. Aber ich hätte mir gewünscht, dass viel mehr Aufmerksamkeit darauf gelenkt worden wäre. Und: die Deutschen sind Vorreiter für Staudenmischpflanzungen im Stadtgrün. Man sollte stolz darauf sein, eine Alternative zu Rasen entwickelt zu haben, die andere Länder jetzt aufgreifen und ihrem eigenen Klima anpassen. In den USA entwickeln und pflanzen wir die ersten ökologischen Mischpflanzungen nach deutschem Vorbild.

Das ist aus Ihrer Sicht auf der BUGA zu kurz gekommen?

Ich habe hinter dem Piet-Oudolf-Garten einen schmalen Streifen mit so einer Fläche gefunden. Aber das hätte man doch feiern können! Das ist so spannend momentan, dafür ist Deutschland bekannt, und es kommt ja internationales Publikum auf die BUGA. Man hätte mehr Dinge zeigen können, die Bedeutung haben für eine neue Generation, die der Umwelt etwas zurückgeben will. Mit so etwas entwickelt man die Gartenkultur weiter, das sind prägende Elemente, die die Leute mitziehen und Leidenschaft am Gärtnern verbreiten.

Prominent ist aber doch das Beet von Petra Pelz, dessen Pflanzen dem Klimawandel trotzen können?

Ja, das war ein Highlight für mich! Wunderschön farbig und sehr inspirierend. Petra Pelz ist eine Künstlerin. Ich finde es spannend, wie sich ihr Stil entwickelt hat. Sie war von Wolfgang Oehme beeinflusst. Sein Konzept der Blockpflanzungen kann man ja nicht eins zu eins auf kleinere Gärten übertragen. Sie hat von Anfang an detaillierter gepflanzt, eine deutsche Version erschaffen. Jetzt ist es so ausgereift, so spannend. Ich habe mir alles auch unter dem Aspekt angeschaut, was für unsere eigenen Pflanzungen in den USA interessant sein könnte. Nicht jede Sorte und Art funktioniert oder ist überhaupt erhältlich. Aber es ist inspirierend zu sehen, wie sie Struktur schafft und die Balance aus Großflächigkeit und kleinteiliger Mischung hinbekommt.

Wie sehen Gartenschauen in den USA aus, finden sich dort Anregungen für eine BUGA?

Die Gartenschauen sind ganz anders. Die PHS Philadelphia Flower Show, ausgerichtet von der Pennsylvania Horticultural Society, findet im zeitigen Frühjahr in großen Messehallen statt. Die Hälfte der Schau bilden Schaugärten, wo lokale Landschaftsarchitekten und Firmen Gärten bauen. Die Themen sind aktuell und relevant, es geht um Naturgärten, Biodiversität, Regenwasser, Klima. Aber jeder Garten ist so gestaltet, dass er auch den Massen gefällt - viel Farbe, Kontraste, gute Struktur. Der andere Teil ist Verkaufsfläche – von Raritäten bis zu Gartenbüchern und Floristik. Dazu gibt es ein unglaubliches Programm mit Workshops und sehr vielen Events. In den USA liegt der Fokus generell mehr auf dem Verkauf. Es ist viel kommerzieller als jetzt in Erfurt. In einem Beet mit besonderen Pflanzen stünde garantiert ein Schild, wo man sie kaufen kann – vielleicht könnte man sie sogar übers Handy direkt bestellen. Ich fand es schön in Erfurt, mal nicht überall so stark beworben zu werden. Aber bei einer BUGA geht es ja auch darum, die teilnehmenden Betriebe und Gärtnereien bekannter zu machen.

Herzliche Einladung zu den gärtnerischen Highlights der BUGA Erfurt 2021!

Dieses Jahr begrüßen wir unsere Besucher sehr herzlich in Erfurt, der Stadt des Gartenbaus und der Gartenausstellungen. Hier können Sie drei völlig unterschiedlich gestaltete Parks und 50 Themengärten zu ihrer privaten Inspiration erkunden: Im historischen egapark, der mit seinen frisch angelegten klimagerechten Pflanzungen und nachhaltig wassersparenden Beetanlagen, den überarbeiteten historischen Gärten und dem einzigartigen neuen Tropen – und Regenwaldhaus Danakil punkten kann. Coronabedingt können nur die Gewächshäuser noch nicht geöffnet werden, man kann sie aber sehr gut durch die großen Glasscheiben einsehen. Auf dem Gelände erwartet Sie aber mehr: jede Woche gibt es ein neues Gartenthema, das auf Sonderschauen zum Beispiel Fuchsien, Pelargonien, Dahlien und Rosen, Begonien, Lilien und Iris vorstellt. Alles von Gärtnern gezüchtet, gepflanzt und gepflegt, die auf der BUGA mit bestem Material in den gärtnerischen Wettbewerb gehen. Wöchentlich wechseln auch die 23 Hallenschauen ihr Thema. Einen kleinen Einblick geben die Videoclips auf der BUGA – Website in Erfurt: www.buga2021.de.

Dagegen leuchten auf dem zweiten Areal, dem Petersberg, nun Kirche und Festung im erneuerten grünen Umfeld mit vielen Gärten, die die Geschichte des Gartenbaus erzählen, mit der Erfurt eng verknüpft ist. Auf unterhaltsame Weise präsentiert sich z. B. der Erwerbsgartenbau: auf Rutschen können Sie hangabwärts klassische Erfurter Gemüsepflanzungen erleben. In luftiger Höhe über Erfurts Zentrum, in der Klosterkirche St. Peter und Paul, laden auch die 23 Außenstandorte der BUGA in ganz Thüringen - Schlossanlagen, Herrenhäuser und Parks - zum Besuch ein: Erste Impressionen vermittelt die Ausstellung „Paradiesgärten-Gartenparadiese“, die interaktiv und voller Überraschungen gestaltet ist.

Der dritte, öffentliche Geländeteil der BUGA, der Nordpark, ist Teil eines 4,5 km langen Grünzugs entlang der Gera, der das Wohnumfeld im bevölkerungsreichen Erfurter Norden dauerhaft aufwerten soll. Der Nordpark ist das Eingangstor zur Geraaue. Er ist ein wichtiges Verbindungsgelenk zwischen dem Stadtkern, den benachbarten gründerzeitlichen Quartieren und den nördlich gelegenen Wohnsiedlungen. Dafür erfuhr er viele strukturelle Veränderungen: eine Straße mitten durch den Park wurde Parkweg und es wurden Beetanlagen – allein mit Rosen und Stauden auf 25.000 qm angelegt. Vor allem die modernen Sportanlagen sind sehens – und nutzenswert. Um alles erkunden zu können, empfiehlt sich ein mindestens 2-tägiger Aufenthalt. Viel Spaß auf der BUGA Erfurt 2021!