Ein Stückchen BUGA - Pläne zum Nachpflanzen

Eine Fülle von Stauden auf wenigen Quadratmetern, gekonnt kombiniert: Die Beete der BUGA Erfurt 2021 waren exzellent bepflanzt. Den größten Teil des Jahres sahen sie sensationell aus, wie es sich für eine Gartenschau gehört. Doch was wuchs da nebeneinander, was wurde wie kombiniert?

Die Planerinnen Petra Pelz und Hanne Roth haben sich bereit erklärt, einige Quadratmeter ihrer Pflanzpläne zu zeigen. So lässt sich spielend ein Stückchen BUGA nachpflanzen.

Petra Pelz ist Expertin für Pflanzkonzepte und seit der BUGA Magdeburg 1999 immer wieder als Planerin involviert, unter anderem bei der IGA Rostock 2003, der igs Hamburg 2013, der IGA Berlin 2017 und der BUGA Heilbronn 2019. In Erfurt bepflanzte sie die große „Staudenschau“ im egapark neu – ein 4000 Quadratmeter großes Beet, das aus den frühen 1960er Jahren stammt. Die ausgewählten Stauden halten trockene Sommer, aber auch nasse Winter aus und sind damit bestens gewappnet, was das künftig zu erwartende Klima betrifft.

Hanne Roth plant mit Leidenschaft Pflanzungen für Landes- und Bundesgartenschauen und war schon bei der BUGA Schwerin 2009, igs Hamburg 2013, BUGA Havelland 2015, IGA Berlin 2017 vertreten. In Erfurt gestaltete sie Flächen auf dem Petersberg. Im Willkommensbereich auf dem Plateau legte sie sie ein Beet rings um die Skulptur des Paradiesbaums an. Sie mischt Stauden wie dunkellaubigen Fenchel mit wilden Artischocken und Federgras, Dahlien wie ‘Bishop of Canterbury‘ und Salbei ‘Wendy’s Wish‘ setzen leuchtende Akzente.

Wissen weitergeben

Die „Pflanzenreich“-App von Petra Pelz

Landschaftsarchitektin Petra Pelz hat eine App entwickelt, mit der sich spielend die besten Pflanzkombinationen für einen Standort finden lassen. Nicht nur Profis, sondern auch Hobbygärtner*innen planen damit ihre Beete. Die App umfasst mittlerweile 5000 Pflanzen, Tendenz steigend. Sie entstand im Zusammenhang mit einem digitalen Kursangebot, das Petra Pelz ins Leben gerufen hat, um von jedem Ort der Welt arbeiten zu können. Mit 61 Jahren will die Landschaftsarchitektin ihre Arbeit ein wenig umstrukturieren - Ruhestand ist nicht in Sicht!

In der Pflanzenreich-App finden sich Schönheiten wie die Spitzkronige Fritillarie oder das Flausch-Federgras. Aber was mache ich dann damit?

Mit der App kann man ein Beet planen. Man wählt zum Beispiel die Bodenfeuchte und die Lichtverhältnisse aus und welche Art von Pflanze man sucht: Stauden, Gräser, Rosen und Zwiebelblumen. Es lassen sich auch Besonderheiten wie Insektenfreundlichkeit anklicken, oder zum Beispiel Verwendung im Präriegarten. Man gibt die gewünschte Blütezeit ein, dann wird die passende Auswahl angezeigt. Die Pflanzen, die einem gefallen, kann man dann auf einer Planungsoberfläche anordnen und das später ausdrucken. Außer dem Plan gibt es auch eine Liste mit den Pflanzen. Mit der kann man zum Einkaufen in eine Gärtnerei gehen.  

Wie ist die Idee entstanden?

Das hat ganz klein angefangen. Mir ging es darum, mein Wissen, das ich über die Jahrzehnte angesammelt habe, weitergeben zu können. Als ich selber mit meiner Arbeit anfing, hat mich Wolfgang Oehme unterstützt. Das war sehr wertvoll. Es wäre jetzt schade, wenn ich einfach die Tür hinter mir zu mache - was geschieht dann mit dem Wissen, den Bildern, den Plänen? Darum habe ich meine Online-Kurse ins Leben gerufen. Die Leute wissen oft nicht, was sie in den Zeiten des Klimawandels in den Garten pflanzen sollen. Vieles vertrocknet oder braucht zu viel Wasser. Für die Teilnehmer*innen dieser Kurse habe ich Pflanzenkarten drucken lassen, mit denen man schöne Kombinationen ausprobieren kann. Die Karten habe ich per Post verschickt, das war sehr aufwendig. Da fiel mir das Spiel Solitär ein, bei dem man digital Karten verschiebt. Das fand ich eine gute Idee!

Wie ließ sich so ein Blüten-Solitär realisieren?

Zunächst habe ich mir einen guten Webentwickler gesucht, der so etwas programmieren kann. Das war schon eine finanzielle Investition. Dann haben wir angefangen, Stauden, Gräser und Zwiebeln in die App einzupflegen. Jetzt sind die Gehölze dran. Vor allem das Sammeln der Bilder und Daten ist mühevoll. Ich arbeite mit Partnerfirmen wie Bruns Pflanzen, der Staudengärtnerei Gaißmayer und der Staudengärtnerei von Till Hofmann zusammen, mit Kordes Rosen und Rosen Tantau. Die Partner versorgen uns mit Bildmaterial und Wissen und werden dafür verlinkt. Ich ergänze es durch eigene und zugekaufte Fotos. Derzeit fehlen noch genauere Beschreibungen der Pflanzen und Filter wie Bodenbeschaffenheit und pH-Wert. Irgendwann wird man aber zum Beispiel „Moorbeet“ eingeben können und bekommt dann alle Pflanzen angezeigt, die dort wachsen!

Gibt es vergleichbare Apps auf dem Markt?

Die meisten, die ich kenne, sind Lern-Apps, bei denen es darum geht, Pflanzen kennen zu lernen.  Aber unsere ist eine Planungsapp, die gibt es so nicht. Ich möchte darüber hinaus Inspiration geben! Außerdem verrate ich, wer sich mit wem kombinieren lässt in der Pflanzenwelt. So haben die Nutzer*innen gleich inspirierende Beispiele.

Die App wächst noch weiter?

Ja, sie ist ein lebender Organismus und entwickelt sich immer weiter. Zurzeit haben wir 5000 Pflanzen in der App, und es werden noch mehr. Angedacht ist später, dass ich noch exotische und Zimmerpflanzen integriere, vielleicht irgendwann auch Gemüse und Kräuter. Das könnte durch Rezepte ergänzt werden. Dann findet sich vielleicht sogar Papaya und gleich daneben steht ein passendes Rezept. Ideen habe ich noch genug!

Sie haben jetzt quasi ein zweites berufliches Standbein?

Ja, das ist wie ein zweiter Beruf für mich. Vor fünf Jahren habe ich mit den Kursen angefangen, denn ich möchte mit meinem Mann noch viel auf Reisen gehen und von jedem Ort der Welt arbeiten können. Aber dafür habe ich mich zwei, drei Jahre selber weitergebildet. Wie man bloggt, wie man viele Menschen erreichen kann. Und was zum Beispiel eine Landingpage ist – das wusste ich alles nicht. Bei Social Media reicht es nicht, sich nur selbst darzustellen. Man muss auch einen Nutzwert bieten. Schauen: Wonach suchen die Menschen, und wie kann man ihnen helfen? Das Ganze ist von einer kleinen Idee zu einem großen Projekt geworden. Und es ist ein Marathon, kein schneller Sprint zum Ziel.

Aber ein Marathon, der sich lohnt?  

Er hat mich nach vorne gebracht, ich habe zum Beispiel 7.000 Newsletter-Abonnenten. Aber ich habe auch viel investiert. Zum einen finanziell, außerdem zeitlich: Ich arbeite doppelt, um das machen zu können. Ich habe Lohnkosten, nicht nur meine Assistentin Leonie Humenda, sondern auch vier Mitarbeiter*innen auf 450 €-Basis, die die Daten aufbereiten, damit sie in die App gespielt werden können. Auch wenn ich noch weit davon entfernt bin, Kosten deckend zu arbeiten, bin ich überzeugt, dass es sich lohnt. In den Jahren, die ich meine Kurse schon gebe, konnte ich 210 Menschen begleiten! Ich denke, die App wird toll und träume jede Nacht davon. Ich bin so begeistert davon und wünsche mir einfach, dass die Menschen sie entdecken.

Vielen Dank für das Interview!