Als hätte der Frühherbst sein Füllhorn ausgeschüttet - Grabgestaltung und Denkmal auf der Bundesgartenschau in Erfurt

Dort schaut keck ein kleiner Hirsch von einem Hügel herab hinter einem Nadelgehölz hervor. Hier ergießt sich der Herbst mit einem Feuerwerk aus Farben, Früchten, Blüten und Blattpflanzen zu Füßen eines Grabsteins. Sogar Chilischoten und Zierkürbisse kann man auf den Grabstellen des Ausstellungsbereichs „Grabgestaltung und Denkmal“ auf der Bundesgartenschau in Erfurt entdecken! In einer vom Morgentau bedeckten antiken Uhr scheint die Zeit stillzustehen. Doch die Zeit ist bei den herbstlichen Grabgestaltungen in Erfurt keineswegs stehen-geblieben. Hier kann man die hohe Kunst der deutschen Friedhofsgärtner live erleben, weil sie sich zum Wettbewerb um die schönste Herbstgestaltung getroffen haben.

Im Gespräch mit den Besuchern der BUGA
Konzentriert entfernen die Friedhofsgärtner den Sommerflor von den Gräbern und tauschen ihn durch eine jahreszeitlich passende Herbstbepflanzung aus. Auch wenn es für sie um das Erringen der „Branchen-Oscars“ geht, nehmen sich die Friedhofsgärtner trotzdem viel Zeit für ein Gespräch mit den vorbeiflanierenden BUGA-Besuchern. Sie geben wertvolle Tipps, welche Pflanzen jetzt im Herbst eine besonders gute Figur im Beet machen und auf welche man in Zeiten des Klimawandels besser verzichten sollte.

„Der Herbst ist eine sehr interessante Zeit für die Grabgestaltung“, berichtet Knut Mergenthaler, der sich im Auftrag des Bundes deutscher Friedhofsgärtner während der gesamten BUGA um die Pflege dieses besonderen Ausstellungsbereiches kümmert. „Die Kollegen arbeiten hier mit sehr interessanten Farbverläufen. Viele Blätter verändern in dieser Jahreszeit ihr Farbspektrum vom Grünen hin zu den Rottönen. Farben wie Rot, Orange bis Aubergine sind für mich die typischen Herbstfarben“. Aber auch mit Ton-in-Ton gestaltetem Wechselflor lassen sich sehr edle Akzente auf einem Grab setzen und jedem Besucher wird klar: Weiß ist nicht gleich Weiß und auch in Sachen Grün ist das Farbspektrum schier unerschöpflich.

Das Grabzeichen wird zugelost

„Das Grabzeichen ist viel mehr als der reine Stein, sondern erzählt eine Geschichte über den Menschen, für den es geschaffen wird. Die Steinart und -beschaffenheit, aber eben auch das Thema das Grabsteins ist es, mit dem sich der Friedhofsgärtner auseinanderzusetzen hat und was in seine Gestaltung einfließt“, weiß Knut Mergenthaler. Jedem der in Erfurt beteiligten Friedhofsgärtner wurde ein Grabzeichen für seine Grabstelle zugelost – sei es ein Einzel- oder Doppelgrab, eine Urnenfläche oder eine der so genannten Gemeinschaftsgrabflächen, die immer mehr an Beliebtheit gewinnen. Auf diesen Flächen sind mehrere Urnengräber untergebracht und ein Friedhofsgärtner kümmert sich liebevoll um die Gestaltung dieses Grabbereiches.

Auch wenn die einen oder anderen Grabzeichen auf den ersten Blick ein ähnliches Formenspiel zu zeigen scheinen, sind doch die zu ihren Füßen gepflanzten Grabgestaltungen so individuell wie die Verstorbenen, für die sie erdacht werden. Manche Grabgestaltung kommt deshalb schnörkellos und geradlinig daher, auf anderen Gräbern scheinen sich wahre Füllhörner der Natur zu ergießen und sogar kleine Berglandschaften mit Miniatur-felsen kann man erblicken. In Wellen ergießen sich die Pflanzen zu Füßen eines Grabes in fein nuancierten Farbverläufen – manche Grabbepflanzungen kommen eher in dezenten Farben daher, auf manchen erblickt man ein farbliches Feuerwerk aus Blüten und Gräsern, das sich zwischen Wurzeln und Steinen zu entzünden scheint.

Floristische Kunstwerke auf den Gräbern

Fast floristisch muten viele dieser saisonalen Wechselflor-Gestaltungen an – auch auf einer festlich gedeckten Tafel würde so manche von ihnen eine gute Figur machen. „In unserem Beruf verschwimmen die einst so klaren Grenzen zwischen Friedhofsgärtnerei und Floristik immer mehr. Viele Kollegen setzen sich intensiv mit Pflanzenstrukturen, Steinen, Wurzeln, Zapfen, Stauden, Gräsern und Früchten auseinander. Und gerade im Bereich der Besenheide (Calluna) hat sich in Sachen Farbtönen und Strukturen in den letzten Jahren sehr viel getan. Das bringt Spannung in die saisonale Beetbepflanzung“, beobachtet Knut Mergenthaler. Die Sorge mancher Besucher, dass derart aufwändig gestaltete Gräber wie auf dem Ausstellungsbereich „Grabgestaltung und Denkmal“ auf der Bundesgartenschau unbezahlbar seien, kann der erfahrene Friedhofsgärtner verstehen. Doch keine Sorge: So attraktiv bepflanzte Gräber wie auf der BUGA kann man auch zu Hause haben - mit etwas „abgespeckter“ Pflanzendichte sind solche attraktiven Grabgestaltungen durchaus bezahlbar. Und wer keinen Friedhofsgärtner engagieren möchte, findet auf den vielen, aufs Schönste bepflanzten Gräbern der Bundesgartenschau genügend Anregungen, um es den Besten der deutschen Friedhofsgärtner zu Hause selbst nachzumachen. Auch die hochkarätig besetzte Preisrichter-Jury war von den vielfältigen Beispielen herbstlicher Grabgestaltung überzeugt und zeichnete die Friedhofsgärtner mit insgesamt 34 Goldmedaillen, 8 Silbermedaillen, 8 Bronzemedaillen, 11 Ehrenpreisen sowie 4 Großen Goldmedaillen der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft aus.

Bereich „Grabgestaltung und Denkmal“ erstrahlt im schönsten Sommerflor

Wer vor fünf Wochen schon einmal auf der Bundesgartenschau war, um den Bereich „Grabgestaltung und Denkmal“ zu besuchen, wird seinen Augen nicht trauen. „Die Natur hat sich in den fünf Wochen, auch aufgrund des üppigen Regens, sehr entwickelt“, berichtet Knut Mergenthaler, der vom Bund Deutscher Friedhofsgärtner (BDF) mit der Pflege des Areals während der BUGA betraut wurde. „Nachdem der Sommerflor hier Einzug gehalten hat, zeigen sich die Grabstellen nun mit einem völlig anderen Gesicht. Die sommerliche Bepflanzung hat dem Areal und seinen Gräbern noch einmal einen ganz neuen, farbenfrohen Stempel aufgedrückt“.

Üppige Blütenteppiche überziehen die Grabstellen

Die Besucher können sich nicht sattsehen an der Vielfalt der Sommerblumen mit ihren vielen Farben, Formen, Höhen und Texturen. In bunten Bändern mäandern sie über die Grabstellen, zierliche Gräser geben so manchem Grab eine besondere Leichtigkeit. Auffallend sind die oft aus sehr vielen verschiedenen Pflanzenarten zusammengesetzten Pflanzflächen des Sommerflors. Üppig blühende Stauden finden sich da, aber auch bunte Zwiebelpflanzen, Sukkulenten und so manch andere Pflanze, die man eigentlich eher aus dem Zimmerpflanzenbereich kennt. „Der Klimawandel macht es möglich, selbst Kakteen oder manche Blattschmuckpflanzen in die Beete zu setzen“, weiß Mergenthaler.

Zeit für die Fragen der Besucher

Dies erstaunt auch die zahlreichen Besucher, die den Friedhofsgärtnern beim Arbeiten über die Schulter schauen und ihnen viele Fragen stellen. Bereitwillig geben die engagierten Gärtner Auskunft über ihr Tun, die verwendeten Pflanzen und natürlich die Kosten der Bepflanzung. Auch Tipps über den Umgang mit den verschiedensten Blumen, Gehölzen und Bodendeckern geben die Friedhofsgärtner bereitwillig weiter. Karoline Heiser, die gerade mit ihrem Sohn Johannes zwei Grabstellen mit sommerlichem Blütenschmuck bepflanzt, freut sich über das Interesse der Besucher. Als stellvertretende Vorsitzende des BDF ist ihr das Gespräch mit den Menschen vor Ort sehr wichtig: „Was wir hier tun, ist natürlich Lobbyarbeit für unseren Verband. Aber vor allem wollen wir den Menschen zeigen, welche Vielfalt an schönen Gestaltungsformen es auf Friedhöfen heutzutage gibt“.

Klimaangepasst halten Zimmerpflanzen Einzug

Da ziehen sich farbenfrohe Bänder aus vielfältigen Sommerblumen über die einen Gräber, während andere eher dezent und mit einer Bepflanzung aus nur einer Pflanzenart wie etwa Begonien in erlesenen Farben und Sorten daherkommen. Alle Sommerflor-Konzepte nehmen auf stilvolle Weise die Gestaltungsform des Grabzeichens auf, das sich auf der jeweiligen Grabstelle befindet. Auf der Fläche eines Doppelgrabes sind zum Beispiel drei Kreisel in verschiedenen Stadien ihrer Bewegung zu sehen. Das darunter liegende Band aus Sommerblumen scheint den Weg, den die Kreisel auf dem Boden ziehen, als üppiger Blumenflor nachzuzeichnen. An anderer Stelle findet zum Beispiel das goldene Ginko-Blatt eines Grabsteins sein pflanzliches Pendant aus „Flammendem Käthchen“ (Kalanchoe) im Beet, eine Pflanze, die in diesem Jahr übrigens auf vielen Gräbern ihren Auftritt hat und die gut mit sommerlicher Hitze zurechtkommt. Denn der Klimawandel macht auch vor Friedhöfen nicht halt. Und so werden für den Sommerflor gern auch Rosen, Lavendel, Thymian oder die reichblühenden Dipladenien verwendet – letztere erfreuen sich bei den Besuchern der BUGA besonderer Beliebtheit. Selbst Pflanzen, die lange Zeit als „spießig“ galten, wie etwa die Tagetes, erleben in diesem Jahr eine Art Renaissance.

„Manche der Kollegen arbeiten mit dezenten Farben, manche entfesseln ein regelrechtes Farbfeuerwerk“, beobachtet Knut Mergenthaler. „Und es wird hier mit unglaublich viel Hingabe und Akkuratesse gearbeitet. Diese Anlage ist für die beteiligten Friedhofsgärtner nicht nur eine Möglichkeit, ihre Leistung zu zeigen. Die BUGA ist für sie auch ein Ort der Weiterbildung. Viele Junggärtner sind dieses Mal mit dabei und die Jungen lernen von den Älteren und umgekehrt.“ Von Konkurrenz und Neid ist allerdings in Erfurt nichts zu spüren. Kollegial hilft man sich gegenseitig mit Pflanzen aus, beratschlagt über die optimale Verwendung von Stauden, Zwiebel- und einjährigen Pflanzen. Und so entstehen im munteren Austausch kleine und große Grabstellen, von denen jede einzelne auf ihre Art ein wahres Kunstwerk ist, eine perfekte Symbiose aus Grabzeichen, Pflanzen und gärtnerischer Leidenschaft.

Die hochkarätig besetzte Preisrichter-Jury war von den eindrucksvollen Beispielen moderner Grabgestaltung überzeugt und zeichnete die Friedhofsgärtner mit insgesamt 30 Goldmedaillen, 10 Silbermedaillen, 7 Bronze-medaillen, 5 Großen Goldmedaillen der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft und 9 Ehrenpreisen aus.

Friedhofsgärtnerischer Wettbewerb "Herbstbepflanzung"

Hier finden Sie die Listen als pdf-Dokument:

>>Preisträgerliste

>>Preisspiegel

Friedhofsgärtnerischer Wettbewerb "Sommerbepflanzung"

Hier finden Sie die Listen als pdf-Dokument:

>>Preisträgerliste

>>Preisspiegel

Friedhofsgärtnerischer Wettbewerb "Frühjahrsbepflanzung"

Hier finden Sie die Listen als pdf-Dokument:

>>Preisträgerliste

>>Preisspiegel