Multitalent Staude: Vom Urban Jungle bis in Prärie und Steppe

Neue Gestaltung für die Große Staudenschau im egapark

Der Klimawandel und seine Einflüsse auf die Gestaltung von Gärten und Parks sind ein aktuelles Thema für den egapark und für die Ausstellungsbeiträge der bevorstehenden Bundesgartenschau in Erfurt. Wie sich der Garten zu diesem Thema künftig darstellen kann, zeigt die große Staudenschau im egapark Erfurt zur BUGA 2021.

Ende März startete ein großes Vorhaben mit der Neugestaltung des großen Beetes entlang der Wasserachse in Vorbereitung der BUGA. Auf mehr als 4000 m² bietet das Staudenbeet künftig eine Bühne für ganz unterschiedliche Gartenthemen. Das Pflanzkonzept stammt von Petra Pelz, die bereits auf vielen Bundes- und Landesgartenschauen als Planerin tätig war. Im egapark tragen der neue Rosengarten und der Gräsergarten ihre Handschrift. Petra Pelz kombiniert Farben und Stimmungen, ihre Beete sind eine Sinfonie in Blumen.

Für das egapark-Staudenbeet greift Petra Pelz die Farb- und Pflanzenauswahl des nahen Großen Blumenbeetes auf. Dort setzt die ebenfalls BUGA-erfahrene Planerin Christine Orel im BUGA-Jahr auf ein wahrhaftes Farben- und Blütenspektakel in Rot-, Gelb-, Orange- und Violetttönen. Gelb und Orange greift Petra Pelz in den Blühfarben der Staudenschau auf. Verbindendes Element beider Pflanzflächen ist das begehbare Rasenband. Die Bepflanzung des großen Staudenbeetes wechselt von den intensiven Farben in ein zurückhaltendes Farbspektrum, das den Übergang zu den natürlichen Tönen des Gräsergartens darstellt. Dieser bezaubert mit zurückhaltenden Farben und einem intensiven Formenspiel. So ergibt sich ein zusammenhängendes gestalterisches Band über alle drei gärtnerischen Anlagen, von denen jede dennoch ihren ganz eigenen Charakter behält.

Staudenblüten leuchten vor dem Hintergrund von Eibenhecken

Auf der Staudenbeet an der Wasserachse werden verschiedene Themen präsentiert, sie alle unterstreichen die Vielseitigkeit der Stauden. Der Frühlingsgarten am Beginn der Wasserachse leitet über in den Klimawandelgarten. Was blüht uns morgen? Als Antwort auf die Fragestellung: erlebt der Betrachter eine Kombination von Stauden und Gräsern aus den Vegetationszonen Steppe, Prärie und dem mediterranen Gebiet. Ein Erfurter Indian Summer soll hier im Herbst zu bewundern sein, verspricht Pflanzplanerin Petra Pelz. Dann verfärben sich die Blätter der ausgewählten Pflanzen. Streng rechteckig geschnittene Eibenhecken begrenzen das Beet wie ein Bilderrahmen. Sie stammen aus der ursprünglichen Bepflanzung und sind wie viele Bereiche im egapark Teil des denkmalgeschützten Ensembles. Eine einzelne junge Säulenpappel ergänzt wieder das ursprüngliche Pflanzbild in er Sichtachse zum Deutschen Gartenbaumuseum.

Zwischen Staudenschau und Weg, unter dem vorhandenen Baumbestand, wächst in Kastenbeeten eine Schattenpflanzung. Hier erleben die Besucher den Urban Jungle. Stauden, deren besondere Zierde die Blätter sind, die mit Formen und verschiedenen Grüntönen Akzente setzen, schaffen Urwaldfeeling. Das Besondere: Die meisten Pflanzen stammen aus einheimischen Regionen. „Auf den verschlungenen Rasenwegen können die Besucher die unterschiedlichen Pflanzthemen für sich entdecken. Passendes Sitzmobiliar lädt später dazu ein, die Gartengestaltung auf sich wirken zu lassen, wenn die Stauden ihre volle Höhe erreicht haben“, schwärmt Pflanzplanerin Petra Pelz. Sie liebt den direkten Kontakt zu Elfenblumen, Farnen, Baptisia oder Röhrenstern. Die Pflanzengruppen sind in Drifts unterteilt, geschwungene Formen mit unterschiedlicher Wuchshöhe. Hohe Gruppen wechseln sich mit niedrigen Pflanzungen ab, es entstehen Räume, die nicht alles auf einen Blick zeigen. Der Betrachter wird dazu eingeladen, Prärie oder Steppe auf dem geschwungenen Rasenweg zu erkunden.

Bevor es ans Pflanzen geht, wurden Ende März die Bewässerungsschläuche aus dem großen Staudenbeet entfernt und Pflanzen zur Wiederverwendung geborgen. Verschiedene Großgewächse wie Hortensien fanden einen Platz in anderen Parkbereichen. Einige Stauden sind auch für die temporären BUGA-Themengärten vorgesehen, die parallel zur Umgestaltung des Staudenbeetes entstehen.

Grünabfälle zur Kompostierung

In der Woche vor Ostern erfolgte der Bodenaustausch auf dem Staudenbeet bis in eine Tiefe von 45 cm. Die Erde ist neben Standortbedingungen wie Sonne oder Schatten eine wichtige Komponente für das Pflanzenwachstum. Die bisher dort eingesetzten Böden sind nach der langen Nutzungszeit des Beetes ausgelaugt und müssen nun durch neue, nährstoffreiche Substrate ersetzt werden. Dafür gibt es eine ganz spezielle Erfurter Mischung. Der BUGA-Projektverantwortliche für die Neugestaltung des Beetes, Daniel Zugwurst, setzt auf eine Mischung aus Erfurter Erde, Blähschiefer, Sand und Unterboden. Gemischt wurden die ca. 1700 m³ Substrat für das Staudenbeet auf der Erfurter Deponie, die über eine große Bodenbörse verfügt und Substrate für jeden gärtnerischen Anspruch bietet. Aus Grünabfällen der Erfurter Parks und Kleingärten entstehen schon seit vielen Jahren dort Substrate verschiedener Qualitäten. Auch der egapark liefert seine Grünabfälle zur Kompostierung und erhält – als Prinzip der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft – Substrate zurück.

Ende April war das Beet für die neuen Pflanzen vorbereitet: vorhergehende Vegetation geborgen und an neue Stellen im Park gesetzt, Substrat getauscht, eine Startdüngung eingearbeitet, die Pflanzflächen mit Farbspray unterteilt.

Planerin Petra Pelz ist von der Größe des Beets beeindruckt. „Es ist wie ein leeres Blatt Papier, das man jetzt füllen kann“, erklärt sie, während sie die Pflanzen entsprechend ihrem Konzept auf den einzelnen Beetbereichen auslegt. So erhält sie einen Eindruck von der Wirkung ihrer Pflanzplanung direkt vor Ort. Das ist der Ehrgeiz jedes Pflanzplaners, im egapark kann sie gleich mit den Gärtnern die Pflegemaßnahmen absprechen.  Die Gärtner der beauftragten Firma folgen ihr über die glatte Fläche. Sie topfen aus und setzen die unterschiedlichen Sorten in die Erde. Aufgrund der Größe des Areals werden zwei bis drei Wochen vergehen, ehe Sonnenbraut, Gräser, Perovskia, agavenblättriger Mannstreu oder Schönaster den ihnen zugedachten Platz gefunden haben. „Im ersten Jahr wachsen die Blumen flächig, im zweiten erreichen sie dann die gewünschte Höhe und Wirkung“, erklärt Petra Pelz, die schon bei vielen Bundes- und Landesgartenschauen ihre Handschrift hinterlassen hat. Eine so große Fläche ist auch für sie etwas Besonderes. Ihre Ideen dürfen nach der BUGA weiterwachsen, denn die Staudenschau gehört zu dem, was von der BUGA im egapark bleiben wird.