Gärten als Zukunftsthema für Gesellschaft und Tourismus

Von alters her besitzt der Garten eine über seine reale Substanz hinausgehende symbolische Bedeutung. In allen Weltreligionen verkörpert er eine heile, göttliche Idealwelt. Im christlich geprägten Abendland steht er für das einmal gewesene, heute verlorene und irgendwann wieder herzustellende Paradies; somit steht der Garten am Anfang  und am Ende der Schöfpungsgeschichte. Ob Geist oder Gefühl, Seele oder Körper, im Paradiesgarten ist der Mensch rundum gesund.

Dieses Arkadien wird in allen Epochen der Menschheitsgeschichte jeweils mit eigenen  zeitgenössischen Mitteln – von den vorderasiatischen Frühkulturen bis zur amerikanischen Postmoderne – in der Gartenkunst nachzuempfinden versucht. Der Park als die vom Menschen kulturell gestaltete Natur ist Kulturlandschaft im engeren Sinne. Er symbolisier t die Einheit von Mensch (als verantwortungsvoll Schaffendem) und Natur (als dem Menschen Geschenktes). Gerade damit zeigt sich die Aktualiät des Themas: Der historische Garten bietet als „Refugium“ eine Gegenwelt zur globalisierten und digitalisierten Arbeits- und Freizeitwelt. Der Trend zum Garten als kultur- und freizeittouristischem Thema in Großbritannien und Frankreich wird in unterschiedlichen Spektren nun auch in Deutschland spürbar. Freizeitgärtnern ist ein Wachstumsmarkt; Gartenmärkte und Gartenmessen belegen dies mit ihren Besucher- und Umsatzzahlen. Die Popularität und Vielfalt von Gartensendungen im Fernsehen, der nicht zu stoppende und immer diversifizertere Zeitschriften markt , der Garten –und Landmagazine oder die Produktion von Gartenbüchern für jedwede Zielgruppe weisen auf einen generellen Trend zu natur- und gesundheitsorientierten Lebensstilen, der sich in vielen Industrienationen feststellen lässt.

Neben Gärtnern und Gartenlektüre werden Gartenreisen in historische und neue Parks „en vogue“. Für die Touristen sind Schauen und Nachmachen, Spazierengehen und Ruhe, Erholung und Entspannung wichtige Gründe für einen solchen Besuch. Quer zum virtuellen Zeitgeist wächst also die Neigung zu Gärten – zum sinnlichen und haptischen Erleben. Aufgrund der relativ jungen Entwicklung sind Gärten und Parks als eigenes touristisches Marktsegment in Deutschland bisher aber kaum untersucht. Was die Deutschen jedoch nicht genau messen können, ist ihnen meist auch nichts wer t– auch volks- und tourismuswirtschaftlich betrachtet. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, dass Albrecht Steinecke erstmalig in Deutschland den Versuch unternommen hat, das Thema Gartentourismus von allen Seiten her zu analysieren. Mit dieser Standortbestimmung erweist er sich wie beim Kultur- oder Filmtourismus als immerwährender Wissenschaftsscout.

Als 1999 die Idee der „Gartenträume“ , des erstgen landesweiten gartentouristischen Netzwerkes in Deutschland, das Licht der Welt in Sachsen-Anhalt erblickte, wurde dies mit einem Lächeln der Tourismuswissenschaftler und –praktiker bedacht. Die damals noch wenigen Pflänzchen des Gartentourismus, wie Sanssouci in Potsdam, Nympfenburg in München, Herrenhausen in Hannover oder das Gartenreich um Dessau und Wörlitz, bewirken mittlerweile deutliche wirtschaftlich-touristische Effekte. Mit dem vorliegenden Werk von Albrecht Steinecke zu Tourismus, Parks und Gärten wird die Tür weit aufgestoßen für einen freien, unverstellten Blick auf die zukunftsorientierte gesellschaftliche Gartensehnsucht.

Auf der Suche nach dem Paradies bieten Gärten in Tourismus und Naherholung Möglichkeiten des Aufgehobenseins und der Geborgenheit., der Entspannung und der Gesundung, der Kultur und des Genusses, somit der Heimat. Parks sind also Teil des wachsenden und sehr breit gefächerten Reisemarktes des Slow Tourism, der auf Sinnhaftigkeit und Sinnlichkeit basiert. Die Konsumgüterindustrie hat schon seit Jahren Strategien zur Ansprache dieser Kundengruppen entwickelt und umgesetzt. Der Tourismus in Deutschland entwickelt erst punktuell entsprechende Angebote. Auch dabei kann das Buch Anregung und Leitfaden sein.  (….) Ob künstlerische oder natürliche Parks, alle bieten den Wünschen und Sehnsüchten der Besucher ein Stück Heil und Sinn in einer unsicheren Gegenwart und Zukunft.

Autor: Prof. Dr. Christian Antz, Fachhochschule Westküste, Heide

Der Text ist dem Buch „Tourismus, Parks und Gärten“ von Albrecht Steinecke entnommen, zu dem der Autor wie der Verlag UVK ihre freundliche Genehmigung erteilten

Tourism NOW: Tourismus, Parks und Gärten

Parks und Gärten waren lange Zeit touristische Mauerblümchen. Gegenwärtig erkennen aber immer mehr Zielgebiete dieses Potenzial. Das gilt auch für Urlauber, die in schnelllebigen Zeiten zunehmend nach Naturnähe, Muße und Entschleunigung suchen.

Albrecht Steinecke skizziert in diesem TourismNOW-Band unterschiedliche Gartentypen – von mittelalterlichen Klostergärten über barocke Parkanlagen bis hin zu kommerziellen Gartenerlebniswelten. Er beleuchtet deren Bedeutung für die Destination und zeigt beispielhaft auf, wie sich die gartentouristische Nachfrage durch ein professionelles Management und Marketing steigern lässt. Auch die Chancen und Herausforderungen für Park- und Gartenbetreiber skizziert er im Detail und stellt schließlich Checklisten zur Standortbestimmung und Zielformulierung vor.
Ein Must-have für Betreiber von Parks und Gärten sowie Destinationsmanager, Hoteliers sowie Freiraum- und Landschaftsplaner.

Diese Reihe bietet Destinationsmanagern, Produktentwicklern in Tourismusunternehmen sowie Wirtschaftsförderern und nicht zuletzt Hoteliers spannende Impulse. TourismuswissenschaftlerInnen hält sie darüber hinaus über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden und bietet interdisziplinäres und zitierfähiges Wissen.