Paradiesgärten – Gartenparadiese

Ausstellung zur Gartenkunst in Thüringen – unbedingt noch sehen

Noch rund drei Wochen läuft die BUGA und wir möchten Ihre Aufmerksamkeit auf eine besondere Ausstellung richten, die die Gartenkunst Thüringens vorstellt und im Auftrag der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten besonders emotional, einfühl-sam und künstlerisch von Dr. Rita Hombach kuratiert wurde. So ist im Rahmen der Bundesgartenschau Erfurt 2021 am innerstädtischen Standort Petersberg in Erfurt die Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ entstanden. Es ist die erste große Überblicksausstellung zur historischen Gartenkunst in Thüringen vom Mittel-alter bis ins frühe 20. Jahrhundert. Schauplatz der Ausstellung ist die ehemalige Klosterkirche St. Peter und Paul. Der im Vorfeld der BUGA teilsanierte romanische Bau bietet der stimmungsvollen Inszenierung einen spektakulären Rahmen.

Die Ausstellung – Gartenflair in sakralem Rahmen

Thema der Ausstellung ist die Gartenkunst, deren Epochen sich in Thüringen in außergewöhnlicher Dichte nacherleben lassen. Während im Mittelalter die Klöster bei der Förderung und Verbreitung der Gartenkultur führend waren, übernahmen die Fürstenhöfe seit der frühen Neuzeit diese Rolle. An den historischen Gärten und Parks in der Obhut der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ist diese Entwicklung ablesbar. Gartenanlagen der Renaissance und des Barock sowie Landschaftsparks sind erhalten. Die Ausstellung vermittelt Einblicke in ihre Entstehungsgeschichte und die Ideenwelt ihrer Schöpfer und schlägt den Bogen zur Gartendenkmalpflege der Gegenwart. Auf drei Ebenen kann das erlebt werden: auf einem zu einem Panorama aufgezogenen Kupfer- oder Stahlstich, davor inszenierten Genreszenen im Lasercut und auf einer weiteren Ebene flacher vorn mit Artefakten aus dem jeweiligen Gartendenkmal.

Historischer Ausgangspunkt der Ausstellung ist die mittelalterliche Kultur der Klostergärten, die anhand des früheren Klosters St. Peter und Paul entwickelt wird. Das bis ins frühe 18. Jahrhundert bestehende Kloster verfügte über einen Garten im Kreuzgang, Obst-, Gemüse-, Kräuter- und Weingärten sowie einen Friedhof. Im theologischen Denken des Mittelalters waren diese Nutz- und Wandelgärten verbunden durch die Vorstellung, einen irdischen Vorgeschmack auf das Paradies zu geben.

Paradiesische Ideale prägten auch die weltlich geprägte Gartenkunst der Frühen Neuzeit, der sich der größere Teil der Ausstellung widmet. Elf Gartenparadiese in der Obhut der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten stehen im Mittelpunkt der Ausstellung – sechs davon sind Außenstandorte der BUGA. Die ausgewählten Beispiele repräsen-tieren rare Zeugnisse von Renaissancegärten und barocken Gestaltungen und geben Einblicke in herausragende Beispiele der großen Zeit der Landschaftsparks seit dem späten 18. Jahrhundert.

Die Ausstellungsarchitektur fügt sich in den früheren Sakralraum ein und inszeniert ihn. In den Seitenschiffen finden sich multimediale Darstellungen der Gartenanlagen, hinterfangen von Schattenrissdioramen, die den sinnlichen Reiz der Gärten in den Innenraum holen. Der verlorene Kreuzgang-Garten des Petersklosters als virtuelles Zentrum der Ausstellung wird als begehbarer Hortus Conclusus nahe der Vierung in den Raum übertragen. Innerhalb der Aus-stellung schirmt ein virtueller Wasserfall am Standort des einstigen Lettners die Neuzeit vom Mittelalter ab und speist einen geschwungenen Wasserlauf, der die Atmosphäre eines Gartens in die Kirche holt.

Die Ausstellung bietet einen reichen Schatz an Plänen, Dokumenten und historischen Ansichten, kenntnisreich aufbereitet in Medien- und Hörstationen und ergänzt um ausgewählte Exponate. Dahinter steht eine mehrjährige garten- und kunsthistorische Forschung, die Einzeluntersuchungen zusammenführt und auch die eine oder andere neue Entdeckung zutage förderte.

Der Schauplatz – ehemalige Klosterkirche St. Peter und Paul

Die dreischiffige Pfeilerbasilika St. Peter und Paul gehört zu den innovativsten und hochwertigsten Bauten der Romanik in Mitteldeutschland. Sie wurde von 1103 bis 1147 in horizontaler Schichtbauweise aus Großquadern errichtet. Der Bau des „Paradieses“ – der Vorkirche – und der vier Türme dauerte noch bis zur Mitte des 13. Jahr-hunderts. Heute ist das Erscheinungsbild geprägt durch brachiale Eingriffe im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. Nachdem Türme und Dach durch Kanonenbeschuss beschädigt und angebrannt waren, baute man die Kloster-kirche in ein Lagerhaus um. Trotz der Verluste an Bausubstanz ist die Kirche die größte erhaltene romanische Sakralarchitektur in Thüringen.

Mit Blick auf die BUGA erhielt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten 5 Millionen Euro als Sonderförderung von der Thüringer Staatskanzlei für die Teilsanierung der Peterskirche. Sie wurde 2018 bis 2021 umgesetzt.