Schloss Hubertusburg reizt einen Rasenkünstler

Charmante künstlerische Intervention für die Wiederherstellung einer historischen Gartenanlage

Der Künstler Ralf Witthaus plant gemeinsam mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden das außergewöhnliche Kunstwerk „Der Garten in mir“ im öffentlichen Raum: „Es ist kaum zu glauben, in Wermsdorf gab es einst so etwas wie ein Sächsisches Versailles. Der Garten von Schloss Hubertusburg hatte monumentale Ausmaße – und er sollte noch viel größer werden. Im Moment suchen wir Menschen, die Lust haben, soviel wie möglich von der verschwundenen Gartenanlage mit mir sichtbar zu machen.“ 

Witthaus möchte ab dem 1. Juli bis Mitte des Monats mit Motorsensen die zentralen Schmuckformen des Parks frei schneiden. Dies ist möglich, weil nur einzelne Bereiche der einstigen Gartenanlage überbaut worden sind und der Rest unter einer Rasenflächen liegt. Die Helfer können sich auf vielfältige Art und Weise einbringen: Ausmessen und Abstecken, Mähen mit Motorsensen oder Rasenmähern, und Zusammenrechen von Grünschnitt. Witthaus: „Die Zeichnung im Rasen ist nur ein Teil meiner Kunst, genauso wichtig ist mir der performative Anteil des Projektes: Die Arbeit ist für alle ein Fest! Wir arbeiten gemeinsam, wir essen gemeinsam, wir kommunizieren mit den Besuchern.“ 

Es gibt eine festliche Kleiderordnung für das Team: weißes Hemd und schwarze Hose sind für Männer Pflicht, Frauen können auch andere festliche Kleidung in schwarz-weiß tragen. Volljährigkeit ist für die Benutzung von Motorsensen genauso obligatorisch, wie Visierhelme und Stahlkappenschuhe. Diese werden von STIHL gestellt. Der Künstler ist überzeugt: „Wenn wir nur zehn Prozent vom Garten schaffen, wird man Schloss Hubertusburg mit anderen Augen sehen. Man wird fassungslos vor den Dimensionen der vergessenen Anlage stehen. Schloss Hubertusburg ist ein einzigartiges Zeugnis einer fast vergessenen Ära. Mit dem Kunstwerk wird das umso deutlicher.“ 

Bei dem Kunstwerk „Der Garten in mir“ geht es nicht nur um einen historischen Gartenplan. Die Konzeption des Künstlers nimmt auch die Plünderung des Schlosses und die Geschichte und Wirkung des Mannes mit auf, der das Schloss für Friedrich II. plündern sollte und sich weigerte: Friedrich Adolf von der Marwitz wollte seinen Namen mit der Schlossplünderung nicht beschmutzen, wohlwissend, dass er damit bei seinem König in Ungnade fällt und seine Karriere beendet.

Das Landschaftskunstwerk entsteht anlässlich der Ausstellung „Friedrich August und Maria Josepha“ auf Schloss Hubertusburg. Die Ausstellung beleuchtet die „Hochzeit des Jahrhunderts“ im Jahr 1719 sowie das verlorene Sächsische Rokoko. Die Ausstellung wird organisiert von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Zusammenarbeit mit Schlösserland Sachsen.

Der Künstler Ralf Witthaus ist bekannt für Landschaftskunstwerke, gemeinsam mit großen Teams von Ehrenamtlern zeichnet er seit 20 Jahren europaweit ortsbezogene Landschaftskunstwerke in den Rasen. Klare Kontraste erreicht der Künstler, weil er bis zur Grasnarbe schneidet, die Wurzel der Pflanze wird aber nicht beschädigt. Seine Kunstprojekte sind also temporärer Natur: Sie wachsen innerhalb weniger Wochen wieder zu.

Der Künstler und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden freuen sich über interessierte Bürger, die tageweise oder auch länger Teil des Kunstprojektes „Der Garten in mir“ sein möchten.

Zeitraum der Projektrealisation: 1. – 19. Juli, Mo – Sa, 10 – 18 Uhr täglich, Vermessung bereits ab 25. Juni

Ort: Rückseite Schloss Hubertusburg, 04779 Wermsdorf, Sachsen

Interessenten können sich melden bei Tony Eva Hoyer / Staatliche Kunstsammlungen Dresden unter: tony.hoyer.extern(at)skd.museum, +49 (0)351 4914 8653 

oder bei dem Künstler: mail(at)ralfwitthaus.de, +49 (0)163-249 68 59

Das Projekt wird eröffnet am 19. Juli 2019.