Gladiolen - Züchter per Zufall

Jaroslav Konicek hat eine große Passion: Er züchtet Gladiolen. Vor allem Sorten, die Blüten mit aparten Farbstreifen auf besonders langen, kräftigen Stielen hervorbringen, was von Floristen sehr geschätzt wird. Einen Ausschnitt seines vielseitigen Sortiments hat Konicek jetzt auf der BUGA Heilbronn 2019 gezeigt und zum zweiten Mal eine Große Goldmedaille der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft gewonnen. Ein guter Anlass mit dem Gladiolen-Züchter über seine Leidenschaft zu sprechen.

Was hat Sie dazu gebracht, eine Gladiolenzucht aufzuziehen?

Im früheren Leben war ich Eisenbahner. Und im Privatleben war ich ein begeisterter Fußballspieler, als mich eine Verletzung zwang, damit aufzuhören. Da saß ich nun im Garten meiner Eltern und sinnierte über meine Zukunft nach – die Gladiolen blühten in allerschönsten Farben.

Mein Vater hat Gladiolen geliebt. Das Land war da, die Eltern verstorben – und ich malte mir aus, wie es wäre, Gladiolen zu züchten. Gedacht und gemacht. Erst habe ich mich in Tschechien über das Vorhaben informiert, später dann in den USA. Um an besondere Sorten zur Einkreuzung zu kommen, habe unter anderem tschechisches Glas gegen Knollen getauscht und begonnen, im Garten und auf zugekauften Land zu züchten. Das Netzwerk wuchs, die Kenntnis auch und so startete ich meine Verkaufstätigkeiten.

Inzwischen verkauft die Gärtnerei „Lukon Glads“ auch online außer den Gladiolen ein reiches Angebot von Lilien, Amaryllis, Cannas, Crocosmia, Dahlien, Hemerocallis, Zantedeschia und anderen Zwiebelpflanzen – unter anderem nach Deutschland.

Wofür steht der Firmenname Lukon Glads?

Er setzt sich aus dem Wort Lukon - Kamerad - und Glads - Gladiolen - zusammen. Die Firma wurde 1988 von Jiri Lukostic und mir gegründet. Lukostic ist zwar nicht mehr im Unternehmen, aber den Namen Kamerad – in Anlehnung an seinen Nachnamen – haben wir beibehalten.

Welches Farbspiel ist bei Gladiolen im Augenblick Trend?

In Tschechien liebt man klare einfarbige Blüten. Wir verkaufen viel nach Mähren, wo die Leute noch in die Kirche gehen. Die Kirchen sind große Abnehmer von vorwiegend weißen Gladiolen. Zu über 90 Prozent läuft unser Geschäft über den Verkauf von Knollen, viel auch für den privaten Bedarf, lediglich ein bis zwei Prozent sind Schnittware. Währenddessen die Moskowiter gern gestreifte Blüten und ausgefallene Farben schätzen. Die Märkte agieren sehr unterschiedlich: Auf dem holländischen Markt liebt man eher alte, großblütige, unifarben blühende Sorten. Keine Experimente – da wird der Massenmarkt bedient. Wir jedoch legen Wert auf Vielfalt und stabile gerade Stiele und experimentieren auch gern mit Farben.  Auch mit Verläufen in der Phase des Aufblühens.

Wie kamen Sie auf die BUGA Heilbronn 2019?

Schon die Ausstellungsbevollmächtigte der DBG auf der IGA Berlin 2017 wollte gern Gladiolen ausstellen. Um den richtigen Aussteller zu finden, hat sie Manfred Kleinau, den Vizepräsidenten der Deutschen Dahlien-, Fuchsien- und Gladiolen-Gesellschaft (DDFGG e.V.) angesprochen. Er empfahl mich und so wurde ich Aussteller – nun auch bei ihrem Nachfolger Rüdiger Eckhardt. Der Besuch von Messen oder Ausstellungen zeigt unsere Sortenvielfalt und ist eine tolle Werbemöglichkeit. Hier in Heilbronn sind mindestens 4000 Stängel gesteckt worden, Gladiolen in über 50 verschiedenen Farben und 116 Sorten.

Wie viel Zeit benötigt die Zucht einer neuen Gladiolen-Sorte?

Von Grund auf 50 Jahre. Wir bauen unsere Zucht auf bestehenden Gladiolen-Sorten auf und benötigen nach strenger Selektion, dem Einkreuzen und der vegetativen Vermehrung ungefähr sieben Jahre, bis wir eine Sorte über Jahre sortenrein verkaufen können. Das Selektieren spielt dabei eine große Rolle. Die orangen und die blauen Züchtungen sind am kompliziertesten.

Gibt es Schädlinge, die Ihrer Zucht besonders zusetzen?

Ja, sehr häufig Thrips und Fusariose, Schlauchpilzarten. Die bekämpfen wir chemisch. In Tschechien müssen Gärtner dafür sogenannte Giftprüfungen ablegen.

Wie groß ist ihr Marktanteil in Tschechien und in Deutschland?

Wir gelten auf dem Markt als kleiner Betrieb, aber feine Spezialisten. Hauptsächlich exportieren wir nach Litauen, Estland, Lettland und Russland. Nur ein kleiner Anteil geht nach Deutschland. Der Verkauf läuft von Januar bis Mai. Dazu erscheint auch immer ein mehrsprachiger Katalog, den wir online stellen. In anderen europäischen Ländern vermarkten wir über Verbände wie zum Beispiel „Pleasant Valley“ in den USA. Um übrigens Gladiolen in die russische Föderation zu exportieren, ist es aktuell einfacher über den litauischen Markt zu gehen. Dort bestehen gute Vertriebswege, die wir mit nutzen können und uns eine Menge Verwaltungsaufwand sparen. Manchmal besuchen uns die russischen Importeure selbst und nehmen die Ware gleich mit – auch das ist preiswerter als der Versand.