Auf Spülfeldern vor Rostock wird Schlamm aus der Warnow zu Gartenerde

Hunderttausende Tonnen fruchtbarer Boden lagern vor Hohe Düne und Markgrafenheide. Den verkauft die Stadt an Firmen und Privat-personen. Auch zur Bundesgartenschau 2025 soll er zum Einsatz kommen.

Nährstoffbombe statt Schadstoffschwamm: Der Schlamm aus der Warnow ist wesentlich besser als sein Ruf. Das wollen die Macher der Bundesgartenschau in Rostock anlässlich der Großveranstaltung in 2025 einem breiten Publikum bewusst machen. Denn tatsächlich sei das Material ein hervorragender Nährboden für viele Pflanzen, auch im heimischen Garten – wenn es denn richtig aufbereitet wird. Das passiert schon seit DDR-Zeiten auf Spülfeldern vor den Küsten der Hansestadt, sagt Dr. Michael Henneberg. Er arbeitet am Steinbeis-Transferzentrum Wasser, Landschaft, Umwelt, das zur Universität Rostock gehört. Mit der Wende war vorerst Schluss mit der Rekultivierung des Warnowschlamms, die Teil der Planwirtschaft war. Doch die Spülfelder vor Hohe Düne und Markgrafenheide gibt es bis heute und sie werden noch immer genutzt.

Riesige Spülfelder vor Hohe Düne und Markgrafenheide

Auf riesigen Flächen im Radelsee und am Schnatermann wird Baggergut abgeladen, das aus der Warnow geholt wurde, wenn beispielsweise ein neuer Kai am Hafen gebaut wird. Auf den Feldern wird der ausgehobene Schlamm dann immer wieder mit Wasser durchgespült, bis sich die Bestandteile trennen. „Man muss sich das vorstellen wie ein sehr langes Becken. Zuerst bleiben die schweren Teile liegen, also Steine. Die leichteren fließen noch etwas weiter“, skizziert Dr. Henneberg den Vorgang. Was nicht gebraucht wird, wird abgetragen, Steine beispielsweise. Der restliche Boden wird zu Mieten aufgetürmt und getrocknet. „Da müssen wir gar nichts dazu tun, das machen Sonne und Wind“, sagt Henneberg. Nach zwei bis drei Jahren sei die Erde dann so weit, dass sie wiederverwendet werden kann.

Der Boden aus der Warnow wäre auch hervorragend für die Landwirtschaft geeignet, so der Experte, doch dafür ist er zu nährstoffreich. Nicht alle Stoffe, die in dem einstigen Warnowschlamm enthalten sind, sind auch erlaubt. Die Vorgaben in der Agrarwirtschaft sind streng geregelt.

Immer noch Erde von Ausbaggerung des Warnowtunnels übrig

Das weiß auch Ricarda Neumann. Sie arbeitet im Rostocker Hafen- und Seemannsamt und ist so etwas wie die Hüterin des Bodenmaterials. Über sie läuft auch der Verkauf von Bodenmaterial – die Kosten variieren je nach Abgabemenge. Und wie läuft es praktisch ab? Die Hansestadt Rostock liefert Oberbodenmaterial – humosen Boden, Mischboden und Füllboden – an Firmen und Privatleute aus. Es weist eine feinkrümelige Struktur auf, ist jedoch nicht gesiebt. Kleinere Steine, Tonkluten und Pflanzenmaterial können in geringen Anteilen enthalten sein. Das humose feinkörnige Material kann die Fruchtbarkeit sandiger und stark bindiger Böden erhöhen. Mischböden mit einem höheren Sandanteil eignen sich besonders zur Anhebung von Gartenflächen beim Hausbau und für die Rasenansaat. Bei der Bestellung sollte berücksichtigt werden, dass sich der Boden nach dem Einbau noch leicht setzt. Es wird empfohlen, etwa 20 Prozent mehr zu ordern als für eine Fläche eigentlich notwendig wäre. Die Kosten werden individuell besprochen, je nach Abnahmemenge und Anfahrtsweg. Es müssen mindestens 10 Tonnen geordert werden.Innerhalb der Stadtgrenzen sei der Verkauf gar kein Problem, so Neumann. Etwas schwieriger werde es, wenn die Erde in den Landkreis transportiert werden soll. Denn vielerorts gibt es Trinkwasserschutzgebiete, die die Salzreste, die im Warnowschlamm zurückbleiben, nicht so ohne weiteres abbekommen dürfen. Mit der entsprechenden Genehmigung könne die Lieferung meist dennoch erfolgen.

Genug brauchbare Erde ist jedenfalls da: „Ich habe noch etwa 250 000 Kubikmeter vorrätig“, sagt Neumann. Ein Teil davon stamme noch immer von der Ausbaggerung des Warnowtunnels, der Schmarl und Krummendorf verbindet. Er ist 790 Meter lang und wurde 2003 eröffnet. Erst zu Jahresbeginn wurde die 73-millionste Durchfahrt gezählt.

Sorge, dass die Erde, die aus der Warnow ausgebaggert und auf den Spülfeldern getrocknet wurde, Schadstoffe in den eigenen Garten bringen könne, müsse niemand haben, sagt Dr. Henneberg. Er selbst habe viele Kubikmeter Boden in den eigenen Beeten. In einer Art Schaugarten nahe der Spülfelder sei über Jahre alles Mögliche angepflanzt worden – von Gemüse bis hin zu Bäumen und Sträuchern. „Wir bieten nichts an, was wir nicht selbst getestet haben“, sagt der Bodenexperte.

Natürlich sei nicht alles, was aus der Rostocker Warnow ausgebaggert wird, als fruchtbare Erde geeignet. Einige Bereiche in Hafennähe weisen von vornherein zu hohe Schadstoffwerte auf. Das wird bereits im Vorfeld mittels Probenentnahme ermittelt. Wenn klar ist, dass das Baggergut nicht für eine Weiterverwertung nutzbar ist, wird es auf Deponien entsorgt und kommt gar nicht erst auf die Spülfelder, bestätigt Ricarda Neumann. Doch die Erde, die die Stadt zum Verkauf anbietet, sei gut und sicher.

Erde aus der Warnow soll bei Buga 2025 zum Einsatz kommen

Um zu zeigen, wie hervorragend Pflanzen in dem Boden gedeihen, der aus der Warnow geholt und über Jahre aufbereitet wurde, haben die Buga-Macher im Rostocker Stadthafen einige Hochbeete aufgestellt und bepflanzt. Immer mehr strecken die Frühblüher, vor allem Tulpen, ihre Köpfe aus dem einstigen Schlamm. Dazwischen liegen vereinzelt ein paar Muscheln. Die alten Gräser aus dem Vorjahr sind noch geblieben – um zu zeigen, dass bereits im vergangenen Sommer etwas in der Erde gewachsen ist, sagt Renate Behrmann, die Teil des Buga-Teams ist.

Und auch bei der Gartenschau, die im April 2025 eröffnet werden soll, wird die Erde aus dem Warnowschlamm zum Einsatz kommen. „Die Planer schauen gerade, für welche Projekte er geeignet ist“, so Behrmann. Denn nicht alle Pflanzen mögen die darin enthaltenen Nährstoffe.

Fest steht bereits: „Für die gärtnerischen Wettbewerbsflächen kann die Erde leider nicht genutzt werden.“ Denn trotz diverser Filterungen sind darin noch immer Sämereien enthalten, die nicht überall erwünscht sind – im weitesten Sinne Unkraut.

Mit freundlicher Genehmigung aus der Ostseezeitung vom 12. März 2022

Frischer Wind in Rostock: Die neue BUGA-Gesellschaft nimmt ihre Arbeit auf


In gut drei Jahren findet die Bundesgartenschau in Rostock statt.
Nun sind die Weichen gestellt und die BUGA Rostock 2025 GmbH startet durch. Hervorgegangen ist die GmbH aus dem städtischen Fachbereich BUGA. Entstanden aus der vormaligen IGA Rostock 2003 GmbH, vereint sie die zwei Sparten der IGA und BUGA unter einem Dach. Die Bündelung zu einer Gesellschaft ist ein sinnvoller Schritt, da beide wesentliche gemeinsame Aufgaben vereinen. Sie schaffen und gestalten Grün- und Freiflächen, binden Kunst und Kultur ein und beziehen Kinder und Jugendliche in den Natur- und Umweltschutz ein.

Social Media

Nun tritt die BUGA Rostock 2025 verstärkt in den Blick der Öffentlichkeit: Wer sie ist und was sie macht, können Gartenliebhaber, Grünbegeisterte sowie interessierte Social-Media-User zukünftig auf den BUGA-Kanälen Instagram und Facebook verfolgen und teilen.

Den Einstieg bildet eine Story, die von den einzelnen Standorten des BUGA-Geländes erzählt. Die wachsende Community darf gespannt sein und ist über die Social-Media-Kanäle immer gut informiert.

Vorweg sei gesagt: Das immense Potenzial des Areals als Gartenschau- und Naherholungsgebiet in Citynähe lässt sich bereits aus den winterlichen Aufnahmen erkennen. Genau dort, rund um die Unterwarnow, wird sich die Stadtentwicklung der Rostocker „Zwanzigerjahre“ abspielen.

Neues Logo

Mit der neuen Firmierung präsentiert die Gesellschaft auch ihr eigenes Logo. Es entstand bereits im Prozess der Bewerbung der Hanse- und Universitätsstadt um die Durchführung der BUGA 2025 und ist inspiriert vom Areal am Warnowrund. Geschwungene grüne, blaue und rote Linien symbolisieren Warnow, Ufergrün und das alles verbindende Element: Die Warnowbrücke. Das Logo vereint Grüngestaltung und Stadtentwicklung, wie es das Projekt selbst tut. „Für uns ist es das Erreichen eines neuen Meilensteins.“, sagt Oliver Fudickar, Geschäftsführer der BUGA Rostock 2025 GmbH, der das Logo gemeinsam mit seinem Marketingteam präsentiert. „Unsere Öffentlichkeitsarbeit und die mediale Präsenz der BUGA werden durch das stetig wachsende Team immer mehr an Fahrt aufnehmen.“ Über das Jahr hinweg sind verschiedene Kommunikationskampagnen geplant.

„Bald wird die BUGA aus dem Rostocker Stadtbild nicht mehr wegzudenken sein“, sagt Oliver Fudickar.

Instagram: @buga_rostock_2025
Facebook: @bugarostock2025

Bundesgartenschau Rostock 2025: eine Stadt öffnet sich zum Wasser

Als Hanseatin und gebürtige Rostockerin freut sich Renate Behrmann, die BUGA Beauftragte der Stadt natürlich, dass mit der Bundesgartenschau das ganze Warnowrund attraktiver wird. Wir trafen Sie zum Interview im Stadthafen.

Die BUGA Rostock 2025 will die Hansestadt noch mehr zum Wasser öffnen. Welche Flächen sollen zukünftig dabei eine Rolle spielen? Nach dem Planungswettbewerb „Zentraler Bereich Stadthafen Rostock“ steht nun der Sieger fest: Die Entscheidung fiel für die Arbeitsgemeinschaft A24 Landschaft Landschaftsarchitektur GmbH mit Holzer Kobler Architekturen GmbH aus Berlin. Was sehen deren Vorschläge vor?

Renate Behrmann: Die BUGA Projektbausteine bilden als Stadtentwicklungsmaßnahmen die Grundlage für die BUGA Pläne. Das Bundesgartenschau - Gelände umfasst verschiedene Teilflächen rund um die Warnow und bildet so den Zusammenschluss von Flächen der Innenstadt und Stadtteilen, die bisher zu wenig angebunden waren. Die Flächen besitzen jeweils einen besonderen, eigenen Charakter. Hier startet eine spannende Neuentwicklung der Innenstadtbereiche um die Warnow. Die Stadtplaner waren sich schon lange einig: "Mit dem Nordosten wird Rostock erst rund".

So werden sieben Rostocker Projektbausteine einschl. der Warnowbrücke nun zusammen das neue Kraftfeld der Unterwarnow bilden: Der Stadthafen mit dem Archäologischen Landesmuseum und einer Mehrzweckhalle und der Fährberg als Treffpunkt am Wasser. Hinzu kommen die Hechtgrabenniederung und der Stadt-Park auf dem Gelände der bisherigen Deponie. Im weiteren das WarnowQuartier als urbanes Wohngebiet und experimenteller Ort sowie die Uferpromenaden. Die Greifenbrücke soll den Osthafen mit der bestehenden Holzhalbinsel verbinden. Die Vorstellung der Planer der Bürogemeinschaft A24 und Holzer Kobler sind, dass etwa vier bis fünf Meter hohe grüne Dünen für mehr Aufenthaltsqualität und Grün in den Rostocker Stadthafen sorgen sollen. Die Idee resultiert daraus, dass die verlängerten Wallanlagen auf den Hafen treffen. Vom wesentlich höheren Kanonsberg soll die Anlage auf die Hafenseite überspringen und sich in einem Archipel aus unterschiedlichen Schollen auflösen. Der bislang eher unwirtliche, zugige Stadthafen, der jahrzehntelang komplett von der Stadt ausgeschlossen war, soll neu entdeckt und mit Leben gefüllt werden. Hier entstehen verschiedene Nutzungsmöglichkeiten, etwa für Spiel und Sport aber auch z.B. für das Chillen auf Holzdecks, Bänken und Grünflächen.

Die Ufer der Unterwarnow bekommen Promenadencharakter und werden auf  diese Weise Orte der Begegnung für die Stadtgesellschaft. Gleichzeitig gewinnen sie den Charakter von Zugangskorridoren, die viele bisher abseits liegende Ortsteile miteinander vernetzen. Verbunden werden die Projektbausteine durch das Warnow-Rund, einen über fünf Kilometer langen Rundweg. Im Prozess der langfristigen Entwicklung der Projekte, die einen hohen sozialen Anspruch haben, kommt der gesamtgestalterischen Idee aller Flächen eine starke Bedeutung zu. Fragen der neuen Mobilität, der Nachhaltigkeit und der hohen Ansprüche an das Wasser- und Energiemanagement werden insgesamt berücksichtigt.

>>HIER lesen Sie das vollständige Interview.