Bundesgartenschau Rostock 2025: eine Stadt öffnet sich zum Wasser

Als Hanseatin und gebürtige Rostockerin freut sich Renate Behrmann, die BUGA Beauftragte der Stadt natürlich, dass mit der Bundesgartenschau das ganze Warnowrund attraktiver wird. Wir trafen Sie zum Interview im Stadthafen.

Die BUGA Rostock 2025 will die Hansestadt noch mehr zum Wasser öffnen. Welche Flächen sollen zukünftig dabei eine Rolle spielen? Nach dem Planungswettbewerb „Zentraler Bereich Stadthafen Rostock“ steht nun der Sieger fest: Die Entscheidung fiel für die Arbeitsgemeinschaft A24 Landschaft Landschaftsarchitektur GmbH mit Holzer Kobler Architekturen GmbH aus Berlin. Was sehen deren Vorschläge vor?

Renate Behrmann: Die BUGA Projektbausteine bilden als Stadtentwicklungsmaßnahmen die Grundlage für die BUGA Pläne. Das Bundesgartenschau - Gelände umfasst verschiedene Teilflächen rund um die Warnow und bildet so den Zusammenschluss von Flächen der Innenstadt und Stadtteilen, die bisher zu wenig angebunden waren. Die Flächen besitzen jeweils einen besonderen, eigenen Charakter. Hier startet eine spannende Neuentwicklung der Innenstadtbereiche um die Warnow. Die Stadtplaner waren sich schon lange einig: "Mit dem Nordosten wird Rostock erst rund".

So werden sieben Rostocker Projektbausteine einschl. der Warnowbrücke nun zusammen das neue Kraftfeld der Unterwarnow bilden: Der Stadthafen mit dem Archäologischen Landesmuseum und einer Mehrzweckhalle und der Fährberg als Treffpunkt am Wasser. Hinzu kommen die Hechtgrabenniederung und der Stadt-Park auf dem Gelände der bisherigen Deponie. Im weiteren das WarnowQuartier als urbanes Wohngebiet und experimenteller Ort sowie die Uferpromenaden. Die Greifenbrücke soll den Osthafen mit der bestehenden Holzhalbinsel verbinden. Die Vorstellung der Planer der Bürogemeinschaft A24 und Holzer Kobler sind, dass etwa vier bis fünf Meter hohe grüne Dünen für mehr Aufenthaltsqualität und Grün in den Rostocker Stadthafen sorgen sollen. Die Idee resultiert daraus, dass die verlängerten Wallanlagen auf den Hafen treffen. Vom wesentlich höheren Kanonsberg soll die Anlage auf die Hafenseite überspringen und sich in einem Archipel aus unterschiedlichen Schollen auflösen. Der bislang eher unwirtliche, zugige Stadthafen, der jahrzehntelang komplett von der Stadt ausgeschlossen war, soll neu entdeckt und mit Leben gefüllt werden. Hier entstehen verschiedene Nutzungsmöglichkeiten, etwa für Spiel und Sport aber auch z.B. für das Chillen auf Holzdecks, Bänken und Grünflächen.

Die Ufer der Unterwarnow bekommen Promenadencharakter und werden auf  diese Weise Orte der Begegnung für die Stadtgesellschaft. Gleichzeitig gewinnen sie den Charakter von Zugangskorridoren, die viele bisher abseits liegende Ortsteile miteinander vernetzen. Verbunden werden die Projektbausteine durch das Warnow-Rund, einen über fünf Kilometer langen Rundweg. Im Prozess der langfristigen Entwicklung der Projekte, die einen hohen sozialen Anspruch haben, kommt der gesamtgestalterischen Idee aller Flächen eine starke Bedeutung zu. Fragen der neuen Mobilität, der Nachhaltigkeit und der hohen Ansprüche an das Wasser- und Energiemanagement werden insgesamt berücksichtigt.

Die Investitionsmaßnahmen fördern auch verstärkt die touristische Entwicklung der Hanse- und Universitätsstadt. Sie machen das Areal zu einem Anziehungspunkt für RostockerInnen und Gäste.  Rostock wird in den nächsten Jahren durch die schrittweise Umsetzung dieses Plans eine grünere Stadt mit kürzeren Wegen, einer verstärkten Vernetzung der Stadtteile, neuen Attraktionen, Treffpunkten und Aufenthaltsmöglichkeiten, mit einem neuen Mobilitätskonzept und damit verbesserten Umwelt- und Klimabedingungen. Die Stadt wird ihr Image als Wohn-, Arbeits- und Bildungsstandort und als besondere touristische Attraktion im Norden ausbauen und festigen, da bin ich mir aus der Erfahrung mit den Impulsen der modernen Gartenschauen der letzten Jahre sicher. Und an dieser Stelle möchte ich auch betonen, das Rostock mit der Umsetzung des Gesamtprojektes auf Nachhaltigkeit und Klimaneutralität zielt. Auch das gesamte BUGA-Programm um das Rostocker Oval punktet mit zahlreichen Schwerpunkten, die die Inhalte nachhaltiger Stadtentwicklung, Klimawandel, Umweltbildung, aber natürlich auch Veranstaltungen und Kultur transportieren werden.         

Welche Schwerpunkte/Projekte - auch zeitlich bedingt - werden in den nächsten Jahren mit der BUGA gesetzt? 

Renate Behrmann: Die verschiedenen Bereiche haben ganz unterschiedliche Inhalte, die das Gesamtkonzept spannend machen. Ein Schwerpunkt ist natürlich die 545 Meter lange „Warnowbrücke", die das Rostocker Oval erst vollständig macht. Die Terminierung zur Fertigstellung liegt momentan Ende 2024 und wir werden alles dafür tun, dass sie zur Eröffnung begehbar ist! Internationale und Rostocker Büros arbeiten Hand in Hand, um dieses Ziel zu erreichen. Für den Stadtpark, die ehemalige Deponie, wurde im März der Auftrag an den Wettbewerbssieger, das Büro RMP Stephan Lenzen erteilt. Die Planungen haben umgehend begonnen. In der Bearbeitung sind nun noch die Wettbewerbe für den Fährberg und das WarnowRund.

Wie sind die Ideen der Rostocker, wie sind die Ergebnisse der Bürgerbefragung in die bisherige Planung eingeflossen?

Renate Behrmann: Wir haben von Anfang an großen Wert auf die Bürgerbeteiligung gelegt. In 2020 wurden aufgrund des in 2019 beschlossenen Leitfadens für Bürgerbeteiligung zahlreiche Veranstaltungen und Formate dazu durchgeführt. Informationsveranstaltungen fanden speziell zu den einzelnen Projektbausteinen an den vorgesehenen Projektbereichen statt. Erfreulich großen Zulauf hatten die Expertengespräche, zu denen Planer, Architekten und auch der Oberbürgermieter Rede und Antwort standen. Für den Fährberg wurde eine Woche ein Sommercamp initiiert, um mit Interessierten ein Modell zu bauen und zu diskutieren, das dann an den BUGA-Fachbereich übergeben wurde.

Zur Diskussion um den Stadtpark wurde die Bürgerbeteiligung extra zwischen beide Phasen des zweistufigen Wettbewerbs eingefügt, um RostockerInnen auch hier eine Chance der Mitgestaltung zu geben. Alle Ideen, die direkt oder digital zur Bürgerbeteiligung geäußert worden sind, flossen in die Abschlussdokumentation zur Leitentscheidung ein. Dieses Dokument erhalten alle Bewerbe für einen Wettbewerb. Es ist außerdem dauerhafter Bestand unserer Internetpräsentation. Durch die ungewöhnliche Corona-Situation haben wir natürlich versucht, über die sozialen Netzwerke, über Chats oder städtische Plakatierungen, aber auch eine Telefonstunde möglichst viele Menschen zu erreichen. Glücklicherweise konnten mit den bunten BUGA-Containern im Sommer zahlreiche Gespräche und Diskussionen mit den Menschen geführt werden. Für die Organisation von Meetings und den Ablauf der Gespräche hat man professionell ausgebildete Kommunikationsfachleute gewonnen. So konnte eine hohe Objektivität erreicht werden. 

Wie kommt nun die Planung und Durchführung in Corona Zeiten voran?

Renate Behrmann: Wir haben alle Möglichkeiten der Kommunikation nutzen können. Unsere Kollegen arbeiten zum Teil im Homeoffice und können Termine in Videokonferenzen/ Telefonkonferenzen durchführen. Was mich freut und motiviert: Es ist ein hohes Engagement und eine absolute Zielorientierung aller Mitarbeiter unter dem angespannten Zeitrahmen zu spüren. Schließlich liegt der erste Schwerpunkt der Durchführung in diesem Jahr. Wir werden die BUGA GmbH gründen, anschließend das Ausstellungskonzept erstellen, die Markenstrategie entwickeln und den Markenkern erarbeiten. Corona diktiert uns im Augenblick noch die reale oder digitale Teilnahme an Veranstaltungen und Messen. Trotzdem bereiten wir uns mit entsprechenden Materialien, Informationen und Darstellungen darauf vor. 

Viele Anfragen erreichten uns schon von Bewerbern für Außenstandorte aus Mecklenburg-Vorpommern oder auch aus dem Bereich der Umweltbildung. Hier ist zu spüren, dass nicht nur Rostock eine BUGA durchführen will, sondern sich die gesamte Region darauf vorbereitet. Die grüne- und die Baubranche haben sich bereits vor der Leitentscheidung zum Projekt bekannt und ihre Unterstützung signalisiert. In diesen Zeiten sehen wir die große Anschubkraft einer Bundesgartenschau für Rostocks Stadtentwicklung und die Möglichkeit der Umsetzung von Investitionen, die einer ganzen Region in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu Gute kommen kann. Gerade die Corona-Zeit öffnet neue Dimensionen für das Verständnis und die Akzeptanz bei den Menschen für den veränderten Umgang mit unseren Freiräumen, der Gestaltung unserer Park- und Grünflächen und auch der Umgang mit den digitalen Medien. Wir wollen beides - den Natur- und Klimaschutz und die Möglichkeiten der modernen Kommunikation in Einklang bringen.    

Haben Sie schon Vorstellungen für eine Kampagne, um noch mehr Rostocker für die BUGA zu begeistern? Die „100 Gesichter für Rostock“ waren ja schon sehr erfolgreich.

Renate Behrmann: Die „100 Gesichter für Rostock“ waren eine Kampagne, um noch vor der Leitentscheidung die unterschiedlichsten Meinungen und Beweggründe, aber auch Hinweise für eine erfolgreiche Stadtentwicklung und BUGA zu erhalten. Wir möchten eine neue Rubrik "News" entwickeln, um so alle Neuigkeiten schnell zu veröffentlichen. Und klar, die Bürgerbeteiligung wird weiter gehen - die Container ziehen dann auch in unsere Stadtteile, um zu informieren und die Wünsche aufzunehmen. Sollte uns Corona davon abhalten, werden wir im Frühjahr mit unserer Chat-Reihe weiter machen. Auch dazu haben wir viele Ideen. Doch auch die Mitarbeiter unserer Stadtverwaltung werden in den Beteiligungsprozess einbezogen - sie sind Multiplikator für Informationen und natürlich sehr eng mit allen Entscheidungen verbunden.

Kann zum Beispiel der Kreis der Freunde und Förderer der IGA auch für die BUGA tätig werden? Gibt es weitere Initiativen aus der Bevölkerung?

Renate Behrmann: Während der Bürgerbeteiligung wurden uns viele Ideen mit auf den Weg gegeben. Die meisten haben mit dem BUGA-Zeitraum zu tun. Wir haben sie und werden sie - aufnehmen, prüfen und in unsere Konzepte integrieren. Nach Gründung der BUGA GmbH wird es weitere Gespräche mit Interessierten geben - die Freunde und der IGA werden ganz sicher dabei sein. Wir wünschen uns die IGA als attraktiven Außenstandort mit interessanten Großveranstaltungen, ungewöhnlichen Pflanzungen und spannenden Ausstellungen auf dem Museumsschiff. Nach der Zusammenführung von BUGA Fachbereich und IGA GmbH wird es gerade in dieser Hinsicht eine enge Zusammenarbeit und gemeinsame Ziele geben.  

Wohin wird der Sitz der BUGA Gesellschaft gelegt und wie sehen die nächsten Schritte aus?

Renate Behrmann: Der Sitz der BUGA GmbH sollte im Umfeld der BUGA-Flächen liegen, um kurze Wege und schnelle Informationen zu ermöglichen. Wir möchten aber auch einen Ort der Kommunikation und der Information sein - wer Fragen zum Projekt hat, bekommt an diesem Ort auch Antworten. Geplant sind dort zum Beispiel Ausstellungen zu den Wettbewerben, - es werden Bürgerbeteiligungs-Veranstaltungen, Expertengespräche oder Workshops durchgeführt. Wir freuen uns schon darauf!

Wir danken für dieses Gespräch!