Sinnbild für die Mannheimer Geschichte und Zukunft

DBG-News BUGA Mannheim 2023 - 02/23

Das Kulturamt der Stadt Mannheim und die BUGA Mannheim 2023 fördern das nachhaltige Kunstprojekt „Conversio" von Philipp Morlock auf Spinelli

In seinem Projekt „Conversio" verhandelt Philipp Morlock seit 2013 künstlerisch das Thema Konversion auf nachhaltige Art und Weise. Seine Großskulptur wird im Rahmen der BUGA Mannheim 2023 auf Spinelli realisiert. Durch die Verwendung von Relikten der militärischen Nutzung stellt Morlock einen direkten Bezug zu Mannheims Geschichte her. Die konkrete Umsetzung wird zu einem Sinnbild für Versöhnung. Realisiert wurde das Projekt im Schulterschluss zwischen Kultur, Landschaftsarchitektur, Hoch­ und Tiefbau - finanziert vom Kulturamt der Stadt Mannheim und der BUGA Mannheim 2023.

Unendliche Weiten des Spinelli-Geländes: Wo einst militärische Streitkräfte stationiert waren, wird auf rund 60 Hektar ein Landschaftspark angelegt, der Mensch, Flora  und Fauna Heimat bietet. Seit 2020 wird hier rege gebaggert, gebaut, gegraben - rundherum entsteht die Bundesgartenschau Mannheim 2023, im Norden wächst angrenzend das neue Wohngebiet Spinelli. In einer Senke zwischen U-Halle Panoramasteg, Sandmagerrasen und Wildbienen öffnet sich an einer Wegkreuzung überraschend der Erdboden und gibt den Blick frei auf eine markante Schönheit aus Beton und Stahl: „Conversio" lautet der Titel der monumentalen Skulptur von Philipp Morlock.

Sinnbild der Geschichte Mannheims und Deutschlands

„Conversio" markiert den Wandel: Es erzählt die Geschichte der ehemals militärisch genutzten Flächen in Mannheim und steht sinnbildlich für die deutsche Kriegs- und Nachkriegsgeschichte. Bevor die Pionier-Kaserne 1948 durch das amerikanische Militär genutzt wurde, agierte hier von 1938 bis 1945 die Wehrmacht.

Heute ist das Gelände Teil des Grünzugs Nordost, der die Stadt auf einer Fläche von insgesamt rund 230 Hektar wie ein grünes Band durchzieht und Frischluftzirkulation möglich macht. Von April bis Oktober 2023 ist Spinelli eines von zwei Veranstaltungsgeländen der Bundesgartenschau Mannheim, die sich die Nachhaltigkeit als Leitthema auf die Fahnen geschrieben hat.

Philipp Morlock hat aus Elementen des Abbruchs und Rückbaus auf der Konversionsfläche eine sechs Meter große und breite Monumentalskulptur geschaffen und in eine Senke gebettet. Mit einem kleinen Kernteam von vier Mitarbeitenden hat er das Kunstwerk innerhalb von acht Wochen umgesetzt. „Die verwendeten Materialien stammen aus dem Rückbau der ehemaligen Kasernen, vor allem hier auf Spinelli", sagt der Wahl-Mannheimer. Kunst am Bau  in einer originär Mannheimer Interpretation, wenn man so will. Im Zentrum der Skulptur befindet sich ein acht Meter langes Betonwaschbecken. „Das haben wir auf Spinelli in einem Gebäude im Keller gefunden. Wahrscheinlich wurden dort Stiefel gewaschen. Ich nehme an, dass es noch aus der Wehrmachtzeit stammt."

Finanziert wird „Conversio" vom Kulturamt der Stadt Mannheim und der BUGA Mannheim 2023. Das Kunstwerk wird als ökologisches und nachhaltiges Projekt auf Spinelli dauerhaft Bestand haben und ist ab 2024 im offenen Landschaftspark allen Mannheimer Bürger*innen frei zugänglich. Die Skulptur wird mit 33.000 Euro vom Kulturamt gefördert und mit 37.000 Euro von der BUGA Mannheim 2023. Darüber hinaus trägt die BUGA Mannheim 2023 die Kosten für die Realisierung der Senke in der Gesamtanlage mit Erd-, Unter­ und Oberbau sowie Baukonstruktionen und Vegetationsflächen in Höhe von 280.000 Euro aus den Mitteln für den Grünzug Nordost.

Wiederverwertung als offener, kreativer Akt

Wie die Skulptur konkret aussehen würde, war bis zuletzt offen.

„Die Form hing ja von den Materialien aus dem Rückbau ab. Ich konnte vorher nur sagen, wie die äußere Kubatur sein sollte." Damit eine geschlossene Außenform entsteht, hat Philipp Morlock den Bau in den vier Ecken begonnen. Betonplatten wurden als Wandteile  aufeinandergestapelt, Treppenstücke und Metallgitter eingefügt. Eisenbahnschwellen aus dem Innenhof der U-Halle bekrönen das Objekt. ,,Das ganze Team der BUGA Mannheim 2023 war voll dabei. Mitarbeiter*innen aus allen Bereichen haben mich immer wieder angerufen, wenn etwas Verwertbares aufgetaucht ist." Ein altes Brückenelement gibt der Skulptur Halt. Zwei Reihen blauer Spinde stehen Spalier und tragen die Last der Decke. Morlock hat sie mit Beton ausgegossen - einschließlich der Kleidung, die erst die amerikanischen Soldaten dort zurückgelassen hatten, später Flüchtlinge, die diese auch übergangsweise nutzten.

Ganzheitlicher Ansatz mit vielfältigen Akteuren

Nachhaltigkeit ist das übergeordnete Ziel, das die künstlerische Arbeit von Philipp Morlock seit über zehn Jahren prägt und welches er mit unterschiedlichen Akteuren als konstante, treibende Kraft bearbeitet hat. Seit 2013 hat er sein Atelier temporär auf den Konversionsflächen platziert - mal Turley, mal Taylor, schließlich Franklin. 2016 gründete er mit der Künstlerin Myriam Holme und dem Architekten Andreas Handel das Projekt „barac" im neuen Stadtteil Franklin, wo in einer ehemaligen Kaserne Wohnen, Kunst und Inklusion zu einem ganzheitlichen Konzept verbunden sind. ,,Wir haben auch eine Wiederverwertungskette aufgebaut, mit der wir viele Dinge dem Abbruch entziehen und wieder nutzen. Auf diese Weise wurden ganze Spielplätze, Hallen, Garagen und Autowaschanlagen an anderer Stelle wiederaufgebaut."

Auch das Projekt  „Conversio" reicht bis in das Jahr 2013 zurück, als der erste Entwurf im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Konversion der Stadt Mannheim entstanden ist.  Kirsten Batzler, Leiterin der Abteilung Marketing, Kultur, Veranstaltungen bei der BUGA 23 gGmbH, erinnerte sich daran und schlug die Umsetzung im Rahmen der BUGA Mannheim 2023 vor. Das Kulturamt der Stadt Mannheim hat von Anfang an die Realisierung von ,,Conversio" unterstützt und vorangetrieben.

„Seit vielen Jahren begleitet das Kulturamt Mannheim die Entwicklung von Philipp Morlock als Künstler und Bildhauer. Seinen ganzheitlichen Ansatz und sein großes Engagement für künstlerische Interventionen auf den Konversionsflächen hat das Kulturamt von Beginn an unterstützt", erläutert Ewa Wojciechowska, Leiterin des Kulturamts der Stadt Mannheim.

„Der von ihm verfolgte Nachhaltigkeitsgedanke ist zukunftsweisend und hat über die BUGA 23 hinaus Bestand. Für die Mannheimer*innen entsteht mit ,Conversio' ein Möglichkeitsraum, der die Zeichen der Zeit in Kunst umsetzt."

Michael Schnellbach, Geschäftsführer der BUGA 23 gGmbH:

„Die Dimension des Kunstwerks von Philipp Morlock wird auf eindrucksvolle Weise der Dimension des Geländes gerecht. ,Conversio' spiegelt auf vielfältige Weise die Geschichte von Spinelli wider und passt sich der Landschaft und ihrer künftigen Funktion an. Mit der Verwendung von Material, das vom Spinelli-Gelände stammt, entspricht das Werk dem so genannten Reuse-Konzept - reduce, reuse, recycle-, das wir überall auf Spinelli umsetzen. Im wahrsten Sinne des Wortes ein großer Wurf."

Für Mensch und Tier

Was jetzt wie kleine runde Fenster in der teilweise begehbaren Skulptur anmuten, waren einst Fundamente von großen Scheinwerferlaternen. ,,Die habe ich an der Außenwand und relativ hoch oben platziert, damit Vögel sie als Brutplätze nutzen können", erklärt Morlock. Hier, auf der so genannten „Weiten Mitte" westlich der Völklinger Achse auf Spinelli, bleibt das Gelände auch während der BUGA Mannheim 2023 naturnah - mit Magerrasen und Wildblumenflächen sowie Habitaten für Mauereidechsen und Wildbienen. ,,Als wir kürzlich bis zehn Uhr nachts gearbeitet haben, konnten wir Fledermäuse beobachten, die die Skulptur begutachtet haben. Ich glaube, sie wird ganz schnell belebt werden", sagt Philipp Morlock schmunzelnd. So wird das Kunstwerk Teil der Natur.

Skulptur für die Mannheimer*innen

Während der BUGA Mannheim 2023 wird die Großskulptur Veranstaltungsort und Treffpunkt sein. Wenn Spinelli 2024 als Landschaftspark frei zugänglich ist, kann die komplette Aneignung durch die Mannheimer Bürgerinnen und Bürger erfolgen. ,,Darüber werde ich mich sehr freuen", so Philipp Morlock mit Blick in die Zukunft.

 

 

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